Corona - ER lässt uns nicht im Stich   Jesaja 54,7      21.2.2021

 

 Ich (Gott) habe dich einen kleinen Augenblick verlassen, aber mit großer Barmherzigkeit will ich dich sammeln. 8 Ich habe mein Angesicht im Augenblick des Zorns ein wenig vor dir verborgen, aber mit ewiger Gnade will ich mich deiner erbarmen, spricht der HERR, dein Erlöser. Jes 54,7

 

Lockdown. Risikogebiete, Lungenmaschine, Quarantäne-Regeln. Mutationen, Inzidenzwert…  

ich kann´s schon nicht mehr hören. Wir sind verunsichert, ratlos – sind das alles längst satt.

Haben die Verschwörungstheoretiker Recht, die behaupten…? Was behaupten die? Die behaupten ernsthaft, dass das Virus absichtlich als Biowaffe freigesetzt worden sei. Das muss man sich mal vorstellen!

Haben die Recht, die sagen, dass eine Grippeerkrankung nicht schlimmer sei als eine COVID-19 Erkrankung? Was für eine Verharmlosung!

Ja, was denn nun?  Behauptungen, Meinungen, Fragen.

Haben die Recht, die munkeln, dass Gott sich längst von dieser Erde verabschiedet hat? Dass Gott die Menschheit längst aufgegeben und im Stich gelassen hat?

 

Wir glauben ja gemein hin, dass Gott uns von allen Seiten umgibt  (Psalm 139).  Wir glauben mit Paulus, dass nichts und niemand uns von Gott und seiner Liebe trennen kann.  

Wir gehen davon aus, dass Gott die Erde gut angelegt hat (1. Schöpfungserzählung).

 

Wenn wir das ernsthaft so nehmen,  wenn wir das wirklich glauben, ( dass Gott uns von allen Seiten umgibt), dann kann uns Gott doch gar nicht verlassen haben??

Dann kann uns Gott doch gar nicht vergessen und abgeschrieben haben?! 

Oder wie?? Kann er nicht??

Immer, wenn wir ernsthaft auf das Thema Gottverlassenheit zu sprechen kommen, sehr persönlich, am Krankenbett oder während eines Beerdigungsgespräches - stehen uns durchaus leidvolle Erfahrungen vor Augen:

Ein heftiges Scheitern, eine schmerzhafte Trennung, eine Krankheit, die dich total verunsichert hat, mein Cousin, der sich kürzlich infiziert hat, und dann und wann auch der Tod eines lieben Menschen…  Dann fragen wir: Hat Gott uns nicht längst verlassen?

Wir reden über den Klimawandel, wirtschaftliche Bedrohung, die Schere zwischen arm und reich, die immer weiter auseinander klafft,  schauen voraus auf die nächste Generation, die das auslöffeln muss, was wir Älteren ihnen eingebrockt haben!? Und fragen wieder : Hat Gott uns nicht längst vergessen?

Hat Gott uns nicht weggeworfen wie eine Zigarettenkippe, wie wertlos gewordenes Geld, wie alte vergilbte Fotos?

 

In der Bibel ist nicht nur ein Mal von einem abwesenden Gott die Rede, Die Lateiner nannten eine solche Erfahrung: Deus absconditus.

Hiob sagt, dass er vorwärts geht, aber Gott ist nicht da… (Hiob 23, 8-9)

Jesus schreit im Sterben am Kreuz: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen, und wiederholt damit den 22. Psalm des König David.

Und heute, ich denke an die Lesung aus dem Buch Jesaja 54,7-8: Gott spricht: Ich habe dich einen kleinen Augenblick verlassen, ….

Dann folgt aber, zum Glück, dieses großartige ABER:

Ich habe dich einen kleinen Augenblick verlassen, aber mit Barmherzigkeit will ich dich sammeln…

ABER!!

Gott spricht hier durch den Propheten Jesaja zu seinem Volk Israel. Dessen Lage ist mindestens ebenso katastrophal wie eine Pandemie: Die Heimat, Jerusalem liegen in Schutt und Asche. Der Tempel, Prachtbau Salomos und Wohnstatt Gottes auf Erden ist zerstört. Alles haben sie verloren.

Nebukadnezar hatte Palästina erobert und die Menschen nach Babylon verschleppt. Nun weint ein ganzes Volk an den Flüssen Babels. Sie müssen Zwangsarbeit leisten. Sie sind Besiegte, Geflüchtete, Geschlagene. Ja, und nun?

Vor dem Exil, vor der Verschleppung hatten die Propheten gewarnt, immer nur gewarnt. Hatten Bedrohliches verkündet. Da war die Rede vom Gericht Gottes, und das in finsteren Bildern:

Wenn ihr so weiter macht, werdet ihr zugrunde gehen! Wenn ihr euch an fremde Mächte haltet, Intrigen einfädelt, den Kultus, den Gottesdienst missbraucht – werdet ihr in einer Katastrophe enden.

Jetzt, mit dieser bitteren aussichtslosen Lage des Exils zeigt sich,  dass Gott nicht mit sich spaßen lässt. Die Propheten hatten Recht: Durch Nebukadnezar hatte Gott Gericht gehalten.

Aber! Großartig dieses ABER!

Völlig überraschend, außergewöhnlich: Nach der Phase des Gerichtes ändert sich aber nun in der Zeit des Exils der Ton der Propheten: Deren Botschaft schlägt genau ins Gegenteil. Kurswechsel. Jetzt predigt der 2. Jesaja den Menschen, dass ihnen eine neue Zeit, eine heilvolle Zeit bevorsteht:

Die Verbannten werden alsbald in einer prächtigen Prozession in die Heimat zurückkehren. Den anderen Völkern bleibt nichts übrig, als zuzuschauen und Beifall zu klatschen.

Die Wüste wird sich in blühendes Land verwandeln. Zu Hause angekommen, wird es einen Neuanfang geben,  werden die Menschen in Frieden und Wohlstand leben können.

 Was für eine großartige Perspektive! Gepeinigte Menschen - finden nun neue Hoffnung, neuen Mut!

Ich habe dich einen kleinen Augenblick verlassen, … aber mit Barmherzigkeit will ich dich sammeln… (Jes. 54,7-8)

 Ja, es hat Zorn und Gericht gegeben, aber sehr viel größer ist die Barmherzigkeit und die Liebe Gottes!!

Es sollen wohl Hügel hinfallen und Berge weichen, aber meine Gnade soll nicht von dir weichen, spricht der Herr, dein Erbarmer. Jesaja 54,10

Die Bibel bestätigt hier, dass es in der Tat die Erfahrung der Gottverlassenheit gibt!  Aber - sie bezeugt um so mehr, dass die Gnade Gottes unendlich viel größer ist

als Gottes Zorn!

 Wenn wir uns die Welt heute anschauen, 3 mal K: Konflikte, Krisen, Kriege, wenn wir selber Schicksalsschläge erleiden, und eine Hiobsbotschaft nach der anderen über uns kommt –

dann scheint es tatsächlich so, als habe Gott sein Angesicht von uns abgewendet, als wären wir einem blinden Schicksal ausgeliefert.

Dann wirkt es so, als habe sich Gott völlig zurückgezogen.

Und wir sind verunsichert, überfordert, in Sorge, in Ängsten, stecken in einer Krise, wie ich sie mir bis vor kurzem nicht vorstellen konnte – das Bankensterben 2010 oder Fukushima waren dagegen nichts.

Um so mehr gilt, und daran hält die Bibel fest: Meine Gnade soll nicht von dir weichen,…   Gottes Güte ist unendlich viel größer als sein Zorn. Er bleibt uns mit seiner Güte zugewandt.

Das sollten wir uns so richtig rein ziehen. Das sollten wir wirklich verinnerlichen!

Die Knechtschaft, das Exil Israels wird zu Ende gehen – wenn auch nicht so prachtvoll, wie von den Propheten angekündigt.

Die fatale Corona-Pandemie wird eines Tages auslaufen – wenn auch nur unter größten Anstrengungen.

Unterm Strich bleibt:

Nichts wird uns jemals aus Gottes guten Händen reißen können!  ER bleibt uns zugewandt – für immer!

Ich habe dich einen kleinen Augenblick verlassen, … aber meine Gnade soll nicht von dir weichen.