Matthäus 17,1-13  Erleuchtung - Wie Gott uns heimleuchtet     31.1.2021

 

Jetzt lehnte sich der liebe Gott erst einmal erschöpft in seinem Thronsessel zurück. Gerade erst hatte er mit einiger Anstrengung die ersten Menschen geschaffen:

Adam, das heißt im Hebräischen ganz einfach „Mensch“ - und Eva, das ist die „Adamah“, die aus Erde Gemachte.

Dazu hatte er Feuchtigkeit mit Erde vermischt, das Ganze angehaucht –  (Wo Feuchtigkeit hinkommt, da blüht das Leben auf, das wussten die Nomaden der Steppe um 900 v. Chr. ganz genau. Wie sollten sie sich das Geschehen der Schöpfung auch anders vorstellen?) - und schon war er fertig, der Mensch, der Typus Mensch.

Gut gemacht, dachte Gott. Der Mensch als mein Abbild, als Krone der Schöpfung, das hast du super hingekriegt.

Doch die Zeit lief weiter.

Viele tausend Jahre später, als Gott sich wieder einmal genüsslich seine Schöpfung anschaute, dachte er: Ja, was ist denn das? Was kommt mir denn da zu Ohren? Das ist doch nur Klagen, Jammern und Geschrei!? Ich hatte doch alles gut gemacht. Hat sich denn da in meine Schöpfung einen Fehler eingeschlichen?

Die Stämme Israels, wegen einer Hungersnot nach Ägypten ausgewandert, waren mittlerweile zu einem großen Volk geworden – und stöhnten in der Fremde unter der Fronarbeit des Pharao!

Das geht ja nun gar nicht, dachte Gott. Da muss ich etwas tun! Ich greife mir den Mose!

Mose war ein junger Mann, der im Jähzorn einen ägyptischen Aufseher erschlagen hatte und dann nach Midian geflüchtet war – und sich dort als Schafhirte über Wasser hielt.

Aber wie mache ich das nur, überlegte Gott. Ich sollte mich dem Mose erst einmal bekannt machen, der hat doch keine Ahnung, wer ich bin!!

Eines Tages treibt Mose seine Tiere in die Steppe. Dort sieht er einen Dornbusch, der brennt und doch nicht verbrennt. Was ist denn das? Das gibt’s doch gar nicht, dachte Mose.

Neugierig tritt Mose näher. 

Da spricht Gott. Er sagt mit unverkennbarer Stimme: „Ich bin der Gott deiner Väter. Ich habe das Elend meines Volkes gesehen und kenne seine Schmerzen.“

Mose reagiert. Er fürchtet sich, er verhüllt sein Gesicht.

Da sagt Gott zu ihm: „Ich bin da und ich werde da sein, das ist mein Name.“

Das war nun freilich nicht sehr viel, aber es bedeutete immerhin, dass dieser Gott da sein und die Menschen in ihrer elenden Lage nicht im Stich lassen würde.

Im Folgenden erhält Mose den Auftrag, vor den Pharao zu treten - und die Israeliten aus der Sklaverei Ägypten heraus in die Freiheit zu führen.

So wurde der armselige Dornbusch doppelt zu einem Symbol:

Gott steigt ganz tief herab, um sich den Menschen bekannt zu machen als ein Gott, der da ist und der da sein wird. 

Gut gemacht, dachte Gott. Das hast du fein hingekriegt.

 

Wenige Jahrhunderte später, etwa um das Jahr 7 vor Christus, dringt schon wieder Jammern und Wehklagen an Gottes Ohr. Die Römer haben Palästina erobert, haben den Tempel ausgeraubt, haben den Aufstand der Zeloten niedergeschlagen. Unter der Bevölkerung gibt es viele Arme, Kranke,  Hoffnungslose, Menschen, die sich von Gott und allen guten Geistern verlassen fühlen.

Da dachte Gott: Hat sich da doch ein Fehler in meine Schöpfung eingeschlichen? Ich wollte doch, dass alles gut ist?! Ich muss mich aufmachen - hinunter zu den Menschen!

Ich muss mich den Menschen bekannt machen als ein rettender, als ein liebender Gott. Doch wie mache ich das? überlegte Gott.

 Da wurde Gott der Herr aufmerksam auf einen jungen Mann, der in Nazareth aufgewachsen war, der den Beruf eines Tischlers erlernt, der mehrere Geschwister hatte: Joshua, Jesus aus Nazareth.

Den greife ich mir, dachte Gott. Indem ich ihn los schicke zu den Menschen, …hebe ich meinen gewaltigen Arm und fege die Stolzen weg samt ihren Plänen. (Lobgesang der Maria, Lk 1,52). Ich stürze die Mächtigen vom Thron und richte die Unterdrückten auf. Den Hungernden gebe ich reichlich zu essen… Ich erbarme mich über mein Volk! 

Und so geht Jesus los, beauftragt, geistbegabt, macht sich die Hände schmutzig, verletzt bewusst jüdische Gesetze, weil er den Menschen über das Gesetz stellt, diskutiert mit den Reichen, den Frommen, heilt Kranke, holt Menschen heraus aus den Löchern der Angst – und wird so für sie das Transparent für Gott, das Abbild, das größte Beispiel der Liebe Gottes.

Da dachte Gott: Das hast du aber gut gemacht!

 Darüber vergingen Monate. Jesus, etwa 27 Jahre alt, zieht mit seinen Jüngern durch das Land –  heilt, predigt, diskutiert - und hat es schwer, schwer mit den Reichen: Eher kommt ein Kamel durch ein Nadelöhr als ein Reicher in den Himmel, sagt er. Hat es schwer mit den Frommen: Wer unter euch ohne Schuld ist, der werfe den ersten Stein auf diese Ehebrecherin, sagt er.  Ständig wollen sie Jesus reinlegen, ihm eine Falle stellen, ihn fertig machen. 

Da sagt sich Gott: Die sind doch nicht ganz ordentlich! Ich muss unbedingt etwas tun. Ich muss mich da einblenden. Ich muss meinen Leuten neuen Mut und neue Hoffnung machen.

 

Sogleich führt Gott drei Jünger mit Jesus auf einen hohen Berg. (So stellte es sich Matthäus, der Evangelist halt vor (Mt17,1-9.)

Und hier, ganz oben, zeigt Gott sein wahres Gesicht: Vor den Augen der Jünger geht mit Jesus eine Verwandlung vor sich: Sein Gesicht leuchtete wie die Sonne, und seine Kleider wurden strahlend weiß.  Mt 17.

Genau das ist es! Gottes Liebe ist wie die Sonne, das haben wir als Kinder gesungen! Licht ist dein Kleid, Psalm 128.

Wieder einmal macht sich Gott seinen Leuten bekannt als einer, der das Licht ist, der wie die Sonne ist, der die Liebe und Güte in Person ist!

 Aber weiter, Gott hat hier auf dem Berg richtig zu tun:

Er lässt bei Jesus Mose und Elija auftauchen. Wir erinnern uns: Mose, dem Gott einst an einem brennenden Dornbusch begegnet war, der die Israeliten in die Freiheit führt –

und Elia, der Prophet, der seinen Weg unbeirrt geht, allen Widerständen zum Trotz. (Jeder fromme Jude glaubte, dass wenn Elia einmal wiederkommt, dann beginnt die letzte Zeit, die Heilszeit.) Diese beiden, Mose und Elia, stellt Gott hier den Seinen vor die Augen.

Was doch heißt: Ich bin auch jetzt mit euch, das ist mein Name von alters her! Gebt nicht auf! Behaltet Mut! Die helle Zeit, die Heilszeit ist nahe herbei gekommen!

Aber, als wenn diese Zeichen und Bilder nicht ausreichend sind, fügt Gott dem Geschehen hier auf dem Berg noch eine liebevolle Geste hinzu:

Da trat Jesus zu seinen Jüngern, berührte sie und sagte: »Steht auf, habt keine Angst! Mt 17.

Die Worte “rührte sie an“ und „aufzustehen“ und sich „nicht zu fürchten“ - finden sich später genau so in den Ostererzählungen. Das heißt, in der Geste Jesu zu seinen Jüngern, in dieser zarten Berührung – sind Ostern und Auferstehung bereits enthalten:

Wenn sie euch an den Kragen gehen, wenn sie euch verfolgen, dann wisst: Ich, Gott, werde euch niemals verlassen. Ich werde alle eure Tränen abwischen! Der Tod werden nicht mehr sein. Siehe, ich mache alles neu!

Und ermutigt, fasziniert von dem Licht, steigen wenig später Jesus und seine Jünger den Berg wieder hinunter, betreten den Boden der Realität, wenden sich erneut denen zu, die da „leben in Finsternis und Schatten des Todes“.

Gut gemacht, dachte Gott. Das hast du super hingekriegt. Und Gott der Herr, der Allwissende und Barmherzige, lehnte sich genügsam in seinem Königssessel zurück.

 

Zweitausend Jahre später, im Jahre 1935, schaut der liebe Gott wieder einmal auf die Erde, und – entdeckt da ein kleines Menschenskind: Andre Frossard,  französische Journalist,

erklärter Atheist, also jemand, der mit Gott ein Problem hat.

Dem müsste ich einmal so richtig zeigen, wer ich bin und dass ich bin, dachte Gott.

Und was Frossard nun erlebt, das wird er sein Leben lang nicht mehr vergessen. Er schrieb in einem Buch, das bald weltbekannt wurde:

"Gott existiert. Ich bin ihm unvermutet begegnet,… Um 17 Uhr und 10 Minuten war ich auf der Suche nach einem Freund in eine Kirche des Quartier Latin eingetreten und verließ sie um 17 Uhr 15 im Besitz einer Freundschaft, die nicht von dieser Erde war. Als Skeptiker und Atheist … war ich eingetreten…als ein... Christ ging ich hinaus, ge­tragen und emporgehoben, immer von neuem er­griffen und fortgerissen von der Woge einer unerschöpflichen Freude...  Ich verhehle nicht, dass eine Bekehrung dieser Art durch ihre Unvermitteltheit etwas Schockierendes, ja Unglaubwürdiges für unsere Zeitgenossen an sich hat, … Es ist mir unmöglich, den Weg zu beschreiben, der mich zum Glauben ge­führt hat, weil ich mich auf einem ganz anderen Weg befand und an etwas ganz anderes dachte, als ich in eine Art Hinterhalt geriet..." 

Das ist doch schockierend: Das ganze Leben umgekrempelt, Freude, Licht - das ist es! Alles bekommt einen heimlichen Glanz, die ganze Welt wird dem Frossard durchsichtig, transparent für Gott:  "Gott ist da, die Tränen liefen mir die Wangen hinunter."

 

Da dachte Gott: Das hast du aber gut gemacht.

Und nun frage ich mich, frage ich uns: Hat sich Gott uns nicht längst bekannt gemacht? Hat sich Gott in unserem Leben nicht längst gezeigt - als ein liebender Gott?

Ja, er hat!

Bei meiner Großmutter war´s während einer Bibelstunde. Es brauchte nur ein einziges Bibelwort.

Bei dir war´s während einer Allianz-Konferenz in Bad Blankenburg. Da hast du mit Gott einen Neuanfang gemacht.

In mein Leben funkte Gott hinein, als es um die Studienwahl ging – und als ich nach dem Autounfall dem Tod von der Schippe sprang… Ich könnte einiges erzählen. 

Ihr sicher auch.

Bleiben wir neugierig und gespannt! Gott ist da, er macht sich auch heute dann und wann bekannt als Licht, wie ein Lichtblick, als die Sonne, als liebender, barmherziger Gott.

Vielleicht lehnt sich der liebe Gott ja gerade auf seinem Thron zurück und denkt, wenn er uns hier so sieht:  Das hast du aber fein gemacht!?

 

Christoph Rosenow