1 Matthäus 2,1-12:

Jesus wurde in Bethlehem in Judäa geboren, zur Zeit, als König Herodes das Land regierte.

 Mit genau diesen Worten beginnt Matthäus eine düstere - und zugleich funkelnd leuchtende Kontrast-Geschichte zu erzählen, eine der wohl aufregendsten Geschichten in der Bibel überhaupt.

Sie kommen aus dem Orient, aus der Gegend, wo das Licht zuerst zu scheinen beginnt und schließlich die Sonne aufgeht: Ex oriente lux: Licht aus dem Osten! Es sind persische Priester, vielleicht Sterndeuter, Astrologen, die den Lauf der Sterne beobachten, die klug und hoch gebildet sind, die „Weisen aus dem Morgenland“, wie Martin Luther sie einst nannte. Vor allem und zu allererst sind es Heiden – Matthäus, der Evangelist, betont eben das! - Heiden, die die Welt der Ungläubigen, der Nichtglaubenden repräsentieren.

Waren es zwei, drei, oder fünf Magier, Sterndeuter? Wir wissen es nicht. Im Laufe der Jahrhunderte wurden die Fremden zu drei Königen umgestaltet, weil im Evangelium von drei königlichen Geschenken die Rede ist. In römischen Katakomben tauchen mal vier, mal zwei Könige auf, ein syrischer Schriftsteller spricht im 6. Jh. von zwölf persischen Königen. Schließlich wurden die drei Könige seit dem 14. Jahrhundert mit unterschiedlicher Hautfarbe gemalt: ein Schwarzer als Vertreter Afrikas, ein Gelber - ein Asiate, und ein Weißer als Repräsentant Europas. (Australien und Amerika waren ja im frühen Mittelalter noch nicht entdeckt.) Jahrzehnte später verkörpern die drei Weisen die drei Lebensalter: den Jüngling, den erwachsenen Mann und den Greis - etwa auf dem berühmten Dreikönigsaltar des Rogier van der Weyden. Damit stehen die Weisen, die Weitgereisten für Menschen aller Nationen, für Menschen jeden Alters – also auch für dich und mich: Ja, ich bin einer der Weisen, die sich da auf den Weg machen. Du bist einer der risikobereiten, aufgeschlossenen, begeisterungsfähigen, gebildeten Leute, die tiefgreifende Fragen stellen nach dem, was unsere Welt im Innersten zusammen hält, die geradezu beflügelt sind mit sehr viel Sehnsucht nach dem ganz Anderen, nach dem Dahinter, nach Gott.

Ausgerechnet diese sogenannten Heiden, Nichtglaubende, (das muss man sich mal vorstellen!) scheinen aber nun eine Antenne zu haben für religiöse Dinge, also auch für den „König der Juden“.

Und so brechen sie auf voller Erwartung, mit einer unwahrscheinlichen Sehnsucht im Herzen. Da frage ich mich: Bin ich jemals in meinem Leben aufgebrochen, los gegangen? Gehören Sie zu denen, die im Aufbruch begriffen sind?

Zu allen Zeiten machten sich Menschen mit Sehnsucht auf die Suche, auf den Weg: Ps. 63, 1 – 3: Gott, du bist mein Gott, den ich suche! Es dürstet meine Seele nach dir, mein ganzer Mensch verlangt nach dir Psalm 42: „Wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser, so schreit, meine Seele, o Gott, zu dir.

Es mögen unzählige gewesen sein, die es den Fremden aus dem Osten im Laufe der 2000 Jahre n.Chr. gleichgetan haben, trotz der vielen anderen Angebote, die auch heute zur Auswahl stehen, trotz der vielen anderen Sterne, die da verlockend am westlichen Konsum-Himmel leuchten: Wohlstand und Macht, Mercedes-Sterne, Superstars auf den Bühnen, 3 softe Erlebnis-Religiosität, Drogen, Esoterik, Astrologie... 

…der Stern, den sie schon bei seinem Aufgehen beobachtet hatten, ging ihnen voraus, erzählt Matthäus weiter.

Was mag das für ein Stern gewesen sein? Dazu haben sich Experten aller Jahrhunderte den Kopf zerbrochen: War das im Jahre 7 v. Chr. eine bestimmte Konstellation des Saturn und Jupiter im Sternbild Fische ? In Babylonien galt der Jupiter wegen seines goldgelben Lichts als Königsstern. War es eine Supernova, - oder ein Komet? Nein, eindeutig nein.

Den Evangelisten Matthäus leitet kein historisches Interesse. Er schreibt seine Erzählung vor allem für Judenchristen - und kennt natürlich die Parallelen zum Alten Testament, zur Hebräischen Bibel:

Im 2.Mosebuch ist die Rede von einer Feuersäule, die dem wandernden Gottesvolk nachts durch die Wüste voran zieht.

Im 4.Mosebuch 24,15 sieht Bileam…. im Osten einen Stern aufgehen: Ein Stern geht auf im Volk der Jakobssöhne, ein König steigt empor in Israel. Und sogleich sehen wir, dass den Evangelisten Matthäus eine tiefe Symbolik leitet, ein theologisches Motiv seine Erzählung bestimmt:

Mit dem Stern ist natürlich der lang erwartete Messias, der „König der Juden“ gemeint. Und er, Jesus aus Nazareth ist – so lesen wirs in der Offenbarung 22,16b, dem letzten Buch der Bibel - „der glänzende Morgenstern“. Und den haben die Fremden da unterwegs vor Augen!

Das aber war nun ein überaus mutiges und gewagtes Bekenntnis zur Zeit des Römischen Reiches: auf verschiedensten Münzen war nämlich der ein Stern über dem Kopf von Augustus und Cäsar zu abgebildet, der Kaiser wurde als Gott angebetet! Auch im jüdischen Bereich gab es Münzen, auf denen ein Stern 4 zeigen sollte: Herodes ist der König.

Und ausgerechnet zu Herodes, nach Jerusalem, gelangen die Fremden nun auf ihrer weiten Wanderung: Wo finden wir den neugeborenen König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen.« Herodes ist total bestürzt, entsetzt, als er von der Suche nach einem neugeborenen König hört, saß er doch bisher fest im Sattel, abgeschottet und gut bewacht in seinem Palast, Herodes, der Große. Die Stadt und das ganze Land hatte er in Angst und Schrecken versetzt, so wie einst der Pharao sein Land unterdrückte. (Auch hier eine alttestamentliche Parallele) Selbst in seiner eigenen Familie schreckte Herodes vor Mord nicht zurück, nur weil fürchtete, seine Macht, seinen Einfluss zu verlieren. Und "mit ihm erschrak auch ganz Jerusalem“, V.3. ,was doch heißt: Bald wird das eigene Volk, das Volk der Juden, den lang ersehnten Messias ablehnen!!

Herodes bestellt seine Berater, fragt sie nach dem neu geborenen Messias, dem zukünftigen König Israels. Die weisen ihn auf eine Bibelstelle des Alten Testamentes hin, Micha 4: Bethlehem…denn aus dir wird kommen der Fürst, der mein Volk weiden soll.“)?? Und schon war dem Herodes der Geburtsort des neuen Königs bekannt! Sogleich ruft Herodes die Fremden, die Weisen zu sich: „Ich will auch zu dem neu geborenen Kind gehen und es anbeten.“ Wie er sich verstellt! Wie er sich anbiedert, der Wolf im Schafspelz. Und so, wie der Pharao einst dem Mosekind nachstellte, 5 so wird Herodes nun versuchen, das Jesuskind zu verfolgen - es aus dem Weg zu räumen. ( Im folgenden Kapitel ist von dem Kindermord in Bethlehem die Rede.)

Die Weisen machen sich auf den Weg nach Betlehem, …und der Stern , ging vor ihnen her. Sie behalten den einen Stern vor Augen, bis sie in Betlehem ankommen, dort, wo Maria ihr Kind zur Welt gebracht hat. Genau über der Stelle, wo das Kind war, blieb er stehen. Mt 2,9

Und nun, was für ein Kontrast: In Jerusalem, unter den Frommen und Mächtigen, das große Entsetzen – hier aber nichts als Freude: V 10: Als sie den Stern sahen, waren sie hocherfreut." Menschen, die einfach überglücklich sind. Ich stelle mir vor: Ihre Freude lässt den armseligen Stall für Augenblicke erstrahlen wie einen Palast. Vers 11: … Dann holten sie die Schätze hervor, die sie mitgebracht hatten: Gold, Weihrauch und Myrrhe.  Ganze Bibliotheken füllt die allegorische Literatur zu diesen Geschenken: Gold für Jesus, den Messias, den wahren König des Gottesvolkes, weil es das Kostbarste ist, was die Erde zu bieten hat, Weihrauch für den, der sich aufopfern wird - das duftende Harz diente schon immer als Opfergabe, Myrrhe als Heilpflanze für den, der bereit ist, zu leiden und zu sterben und uns das Heil bringt. Das bringen die Weisen mit – und noch viel mehr: Sie mitbringen sich selber mit, was sie sind und haben: ihre Einsamkeit und Sehnsucht, ihr Glück, ihr Leben. Was bringen wir mit?

Was haben wir, was habe ich für Jesus, den Messias übrig? 6 Freude, Dankbarkeit, Erinnerungen, mein ganzes Leben. Erfahrungen von Schutz und Bewahrung. Das Wissen, von Gott für alle Zeit geliebt zu sein - ein Kind Gottes zu sein.?

Paul Gerhardt dichtete 1653, fünf Jahre nach dem 30jährigen Krieg: Ich steh an deiner Krippe hier, O Jesu du mein Leben; Ich komme, bring und schenke dir, Was du mir hast gegeben. …Herz, Seel und Mut, nimm alles hin… Ich lag in tiefster Todesnacht, du warest meine Sonne, die Sonne, die mir zugebracht Licht, Leben, Freud und Wonne."

Und Gott befahl ihnen im Traum, nicht mehr zu Herodes zurück zu kehren. V 12. Die weit gereisten Männer verraten den Messias nicht. Sie lassen sich nicht hinters Licht führen, sie lassen sich nicht zu Komplizen des Herodes machen!

Wie hätten wir, wie hätte ich mich verhalten? Hätten wir Jesus ans Messer geliefert? Hätten wir unseren Glauben verraten?

…und sie zogen auf einem anderen Weg wieder in ihr Land. V 12. Geradezu traumwandlerisch ziehen die Magier, die Weisen den weiten Weg in ihre Heimat zurück. Und Herodes der Große? Der stirbt im Jahre 4 vor Chr. Sein Stern verlischt, seine Macht ist zu Ende. Aber die Freude der „Heiden“, derjenigen, die da aus dem Morgenland kamen, aus dem Osten, wo das Licht aufgeht, bleibt. Sie bleiben Kinder des Lichtes. Sie bleiben Erleuchtete. Sie haben erfahren, dass „dieses Licht mit seinem Schein dein Himmel und dein Alles sein“ kann. (EG 40,3) 

 

Glaubensbekenntnis

 wir brauchen keinen neonstern

wir brauchen keinen zuckerstern

wir brauchen keinen mercedesstern

wir brauchen keinen illustrierten stern

wir brauchen keinen strohstern

wir brauchen einen andern stern

wir warten auf einen andern stern

wir warten auf einen stern aus fleisch und blut

der ein auge für uns hat

der ein ohr für uns hat

der ein herz für uns hat

der hand und fuss für uns hat

der ein wort für uns hat

wir warten auf einen menschlichen stern

wir warten auf einen stern

der unser leben hell macht

der unser leben froh macht

der das leben auch der ärmsten menschen hell macht

wir brauchen einen stern wie jesus einer war

wir warten auf einen stern der uns nicht hinters licht führt

wir brauchen einen stern der uns heimleuchtet

heim ins wahre leben

wir brauchen einen jesusstern

der müsste über uns aufgehen

ein jesusstern über jedem haus

das ist unser traum   unsere hoffnung

wir brauchen einen jesusstern

der alle sterne und stars in den schatten stellt.

W.Willms

 

Gebet

Gott, guter Vater, Du hast uns mit Jesus das Licht des Lebens geschenkt. Seit Bethlehem leben wir unter einem guten Stern.          Er leuchtet allen, die sich auf die Suche machen, die weite Wege und Mühe nicht scheuen. Es ist ja oft nicht leicht, dich Gott, im Geschehen der Welt, im Alltag, im Leid, in der Schöpfung zu erkennen. Wir bitten dich heute für alle, die suchen, die keinen Weg sehen. Bitten für die, die in sich gekrümmt sind, befangen in Ängsten und Dunkelheiten. Die sich mit anderen „Sternen“ begnügen, Philosophien, mit Konsum.

Du sprichst zu uns: Suchet mich, so werdet ihr finden. Ja, wir wollen immer wieder aufbrechen, los gehen. Und dann, Gott sei´s gedankt: Dann kommen wir auch an. Wir wissen um deine gute Hand. Haben selbst Wunder erlebt. Gib uns die Freude der drei Fremden, der Weisen, die bei Jesus ankamen, die schließlich auf die Knie sanken und dich anbeteten, weil sie dich als Sinn, als das wahre Leben, als die helle Zukunft – als wahren König erkannt hatten.