IDEAL FIGUR

Ideal Figur – Das Ideal

 Ein Ideal ist ein Leitbild, nach dem wir uns sehnen, eine Idee, eine Vision, ein Traum. Wir reden von einem Schönheitsideal, einem künstlerischen Ideal, einem jugendlichen. Gerne  hätten wir das ideale Wetter, das Idealgewicht, ein vollkommenes, formvollendetes, makelloses, unübertreffliches Gesicht, eine Figur, die das Ideal von Schönheit, Unschuld und Reinheit verkörpert.

Seit Urzeiten sind Menschen fasziniert von körperlicher Schönheit und Vollkommenheit. Adam und Eva, das war das Paradies, das war Gottes Ebenbildlichkeit, das war der Himmel auf Erden. Dabei beschäftigte die Bildhauer, die Maler die eine große oft lebenslange, quälende Frage: Kann man das Antlitz eines  Menschen, einen makellosen Körper überhaupt in einem Bild, einer Plastik, einer Skulptur festhalten, und das für Zeit und Ewigkeit? Und wenn ja, wie?     

  „Teure Josephine, Sie sind mir das Ideal einer Frau.“  Fontane Wuthenow 

 

Kopf,  Amadeo Modigliani 

Ideal Figur – Real oder Ideal

Die Geschichte der Kunst beweist, dass die Künstler sehr verschiedene Wege gingen und mit unterschiedlichsten Stilen und Methoden experimentierten. Die einen zeigten den Menschen so realistisch wie möglich, mit Fehlern und  Alterungsmerkmalen behaftet (Albrecht Dürer, Käthe Kollwitz) – die anderen entfernten sich mehr und mehr von der realen, oft harten Wirklichkeit und bildeten den Menschen so ideal, so makellos wie möglich ab, den Jüngling, den Mann, vor allem aber das Mädchen, die Frau (Raffael, Tizian, Gauguin).             

  "Alles an dir ist schön, meine Freundin;  kein Makel haftet dir an."  Hohelied, Hdl 4,7

 

 

Real Figur - Das Antlitz

Das Gesicht des Menschen, auch als Angesicht oder Antlitz bezeichnet, ist das zentrale Thema in der bildenden Kunst. Ein schmales ovales Gesicht fasziniert und beeindruckt uns. Obwohl beide Gesichtshälften immer unterschiedlich sind, ist die Symmetrie eines Gesichts das Merkmal für Schönheit. Ebenso spielt der Goldene Schnitt eine gewichtige Rolle bei der ästhetischen Bewertung eines Gesichtes. Die Augen sind der Zugang zur Seele, große Augen beeindrucken uns. Der Lichtpunkt in der Pupille macht den Blick. Leicht geöffnete und nach außen gewölbte Lippen werden weithin als besonders schön empfunden, ebenso eine eher kleine, gerade aber verlängerte Nase. Der vertikale Abstand zwischen Augen und Mund von 36 % der Gesichtslänge und ein horizontaler Abstand zwischen den Augen von 46 % der Gesichtsbreite gelten als ideal.           

      "Schönheit fängt mit Staunen an."  Anke Maggauer-Kirsche (*1948) 

 

Portraitstudie, Aquarell  (Ausschnitt), 1996. Christoph Rosenow 

Dame mit Ohrring, Amadeo Modigliani

Ideal Figur – Amadeo Modigliani

Die Portraits und Akte Modiglianis, seine einzigen Bildthemen, drücken mit ihrer stilisierten und gelängerten Formensprache eine melancholistisch-lyrische Stimmung aus. Seinen Stil beeinflusste die vorkubistische Malerei von Picasso, Matisse und Touluse-Lautrec. Die Linie gewinnt später weiter an Bedeutung, seine Gesichter stilisiert er zunehmend. Zu bildhauerischer Arbeit kam er unter dem Einfluss afrikanischer Skulpturen, mit denen er ein Idealvolumen erreichen wollte.  „Wenn ich deine Seele kenne, male ich deine Augen.“   Amadeo Modigliani  

 

 Ideal Figur – Abstraktion

 Im Laufe der Zeit stellten die unterschiedlichsten Künstler ihre Figuren und Gestalten zunehmend abstrakt dar. Die Nase wurde begradigt (Renaissance), die Brust so flach wie möglich gehalten (Romanik), der Körper gerundet (Peter Paul Rubens), der Kopf zweidimensional dargestellt (Pablo Picasso), Genau genommen wurde nicht nur die menschliche Figur, sondern die ganze Wirklichkeit stilisiert, gestreckt und gedehnt (Casa Padrino, Job Mucha,  Modigliani) oder in gedachte Formen wie Dreiecke, Kreise, Ovale eingefügt (Oskar Schlemmer, Lyonel Feininger).   

 

Ideal Figur - Nur ein Traum

Seit Urzeiten versuchen Menschen, den jeweils vorherrschenden Schönheitsvorstellungen zu entsprechen. Dazu wurde der Körper drastisch verändert, Zähne zugefeilt, Füße eingeschnürt, Korsette getragen und Schönheitsoperationen durchgeführt. Bis heute setzen sich Menschen unter Druck, leiden, hungern sich auf die Größe 34 oder 36 herunter, bilden Minderwertigkeitsgefühle aus, nur um als schön zu gelten, um aufzufallen, um beachtet zu werden. Freilich wird die perfekte Schönheit so nie erreicht, denn zu unserer Wirklichkeit gehört immer auch das Unschöne, das Unvollkommene. Um so mehr gilt: Ein Ideal sollte immer das bleiben, was es ist, ein Traum, die absichtlich verzerrte, beschönigende Darstellung eines Gesichtes, der Gliedmaße eines Menschen. Die wurden dann aber auch zu allen Zeiten bewundert und bestaunt. 

       "Es stand in aller Schönheit Pracht ein junges Mädchen da."  Johann Wolfgang von Goethe (1749 - 1832) 

 

Ideal Figur - Kunstprodukt

Spätestens seit der berühmten Anekdote vom Bild der schönen Helena gilt körperliche Schönheit als ein Kunstprodukt. Für sein Bildnis der Helena soll der griechische Maler Zeuxis die fünf hervorragendsten Jungfrauen ausgewählt und von jedem Modell den jeweils schönsten Körperteil gemalt haben. …Naturalistische Körperbilder wie Tizians Venus von Urbino (1538) waren das Ergebnis komplizierter Bildkonstruktionen. 

   "Vor der Anmut und Reinheit wahrer Schönheit senkt der Betrachter den Blick, ohne ihn abwenden zu können."  Ekkehart Mittelberg (*1938) 

 

Haltungsstudie II. Bleistift laviert, 208x296. (Ausschnitt).Christoph Rosenow 

Mädchen aufgestützt, Acryl, 2019. Christoph Rosenow

Ideal Figur - Lyonel Feininger

Feininger zeichnete Windmühlen, Schiffe, den Strand und Badende. Dabei entwickelte er einen sehr markanten Malstil. Feine zittrige Linien, meist aber präzise gerade Linien, oft in dichten Parallellagen kennzeichnen seine Bilder, die geprägt sind von einer klaren abstrahierenden Geometrie. Das emotionale Seherlebnis, die Vision,  spielte für ihn eine große Rolle. Im Prozess der künstlerischen Gestaltung schob er die Erlebnis-Wirklichkeit vor die oft traurige und mit allem Unsympathischen behaftete „wirkliche Wirklichkeit“, d.h. er abstrahierte seine Objekte und überhöhte sie gestalterisch. Bei seiner Suche nach Formen, nach Ordnungsprinzipien ging Feininger davon aus, dass es nichts Zufälliges, nichts ohne Form und Rhythmus geben kann.  

     „Das Gesehene muss innerlich umgeformt und crystallisiert werden…“    

 

Idel Figur - Der Zeichenkurs

Er stellt sich, setzt sich, legt sich der Länge nach auf den Boden. Der Dozent, der künstlerische Leiter des Seminars, geht von Staffelei zu Staffelei, schaut sich die Skizzen an, hilft, regt an, korrigiert. Er beschreibt die Symmetrie des männlichen Körpers, das Knochengerüst, Muskeln und Sehnen, die für einen Mann typischen breiten Schultern, den eckigen Oberkörper, den Bizeps, Sehnen, Gelenke, Ellenbogen, die Knie, das Becken und erklärt: "In der griechischen Klassik gab es verschiedene männliche Typen, einerseits den jugendlichen Athleten, wie er im Extrem von Herkules oder auch vom Kriegsgott Ares/Mars verkörpert wird, aber auch ätherische, feine Typen, wie man sie in Bildnissen des Apollon oder des jugendlichen Ganymed darstellte." 

        "Nackte Jugend verzaubert."  Martin Gerhard Reisenberg  

 

Haltungsstudie, Tusche. 1973. Christoph Rosenow 

Sitzender männlicher Akt, Egon Schiele    

Ideal Figur – Maße

Unter Künstlern, Fotografen und Designern galt ein Mädchen als schön und attraktiv, wenn der Brust-, Taillen- und Hüftumfang 90 – 60 -  90 betrug. Inzwischen wird von einigen Agenturen eine sehr viel schmalere Figur, ein Brust- und Hüftumfang deutlich unter 90 Zentimetern bevorzugt. Perfektes Alter 14 bis 16 Jahre. Gewicht zwischen 45 und 55 Kilogramm. Größe 1,75 bis 1,80 Meter. Traumfigur: Hochgewachsen, schmal, feingliedrig. Der Körper unbehaart. Glatte straffe Haut. Auffallende große Augen. Gewölbte, leicht geöffnete Lippen. Ein langer Hals. Eckige und doch gerundete Schultern. Sich deutlich unter der Haut abzeichnende Wangenknochen, Schulterblätter, Schlüsselbein, Rippen und  Beckenknochen. Eine noch mädchenhafte flache, gehobene Brust. Schmale Arme, lange feingliedrige Hände und Finger. Ein flacher glatter Bauch,  besonders lange dünne Beine, Knie und Knöchel auffallend und markant. Schmale Füße.  

 "Vor der Anmut und Reinheit wahrer Schönheit senkt der Betrachter den Blick, ohne ihn abwenden zu können."  Ekkehart Mittelberg (*1938) 

 

Spiegelung. Collage, Bildtransfer. Christoph Rosenow 

 

 Idel Figur - Transparenz

Schon in der Antike meißelten Bildhauer Marmorskulpturen, die unter Gewändern die Hüften, die Knie, die Brustspitzen erahnen ließen. In der altägyptischen Kultur wurde die weibliche Körperform mit zarten Schultern,

gedehnter flacher Brust, mit schmaler nach oben verlagerter Taille und langgezogener Hüftpartie unter eng anliegenden feinsten durchsichtigen Stoffen betont. Seit den Goldenen Zwanzigern tragen Mädchen selbstbewusst durchsichtige Blusen mit floralen Stickereien und netzartige T-Shirts, ein Modetrend, der auf den ersten Blick untragbar und abgehoben scheint, richtig gestylt aber längst alltagsfähig ist.  

        " Mädchen von heute ziehen Hosen an, um wie Jungs auszusehen, und durchsichtige Blusen, um zu beweisen, dass sie keine sind."  Heinz Drache         

 

 Junges blondes Aktmodell durchstreift nackt das Gras, DDR, Günter Rössler 

Ideal Figur – Günter Rössler

Günter Rössler (1926-2012) wurde bekannt durch seine Aktfotografie, eine Gattung, die er erstmalig als ernsthafte und eigenständige Kunstform in die öffentliche Diskussion der DDR einführte. Alle seine Ausstellungen waren Publikumsmagneten. Da seine Fotos als „nicht anstößig“ galten, wurden die Ausstellungen auch von Schulklassen besucht. Schlichtheit und Reduktion auf Schwarz-Weiß lassen seine Fotos fast skulpturhaft erscheinen. Die große Natürlichkeit seiner Modelle gehörte zum Konzept seiner Aktfotografie, Straps, Lack und Leder und aalglatte Rasur wollte er nicht. Seine Modelle eignen sich nicht als voyouristische Objekte. Stille und kraftvolle Bilder, zeitlos, mit hohem ästhetischen Anspruch berühren den Betrachter bis heute. Poetisch, von Licht und Schatten umspielt, spontan, nicht inszeniert, so kommen Rösslers Schönheiten daher. Er fokussiert auf das Innenleben seiner Modelle, wobei ihm die Augen seines Gegenübers stets das Tor zu dessen Seele sind. Trotz ihrer Verträumtheit wirken seine Mädchen selbstbewusst. Die Bilder sind oft sehr zugeschnitten, offenbaren  nur Details des weiblichen Körpers, trotzdem gibt er seinen Modellen Raum, um ihre persönliche Erotik auszudrücken und lässt ihnen Selbstbestimmung und Individualität. 

    „Denken, plaudern, beobachten. Das Auslösen ist der letzte Akt.” Günter Rössler 

 

Ideal Figur - Wifredo Lam

Wifredo Lam, (* 2. Dezember 1902 in Sagua la Grande, Kuba; † 11. September 1982 in Paris), war ein kubanischer, später französischer surrealistischer Maler und Grafiker. Sein Vater war Chinese und seine Mutter kongolesischer und kubanischer Abstammung. Lam siedelte 1916 nach Havanna über, studierte von 1918 bis 1923 an der Kunsthochschule von Havanna. 1923 emigrierte er nach Spanien und besuchte die Kunsthochschule in Madrid. 1938 zog er nach Paris, wo ihn Pablo Picasso in den Kreis um André Breton einführte.    Wifredo Lams kraftvolle Malerei wird in enge Verbindung mit dem Santería-Kult gebracht, da sie auf wild-tänzerische Art karibisch-afrikanische Geister und Formen zu beschwören scheint. Lam nahm 1959 an der documenta II und 1964 an der documenta III in Kassel teil.

 

In Bewegung, Tusche. Christoph Rosenow 

Ideal Figur - Bewegung

Darf ich ein paar Bilder von Dir machen?" fragt sie und zeigt auf ihre Kamera. Der Fotografin ist ein etwa fünfzehnjähriger Junge aufgefallen, der soeben prustend und schnaufend aus dem Wasser kommt. "Fragen Sie doch meine Schwester!", antwortet er. Die liegt auf dem Bauch und sonnt sich. Er beugt sich über sie und sagt: „Dein Typ ist gefragt, da will Dich jemand fotografieren!" Sie reagiert nicht. Er tippt ihr auf den Po, doch sie bleibt reglos liegen. „Na los!“, ruft er und greift nach ihren Beinen. Sie strampelt, will sich loszureißen und weg krabbeln. Die Fotografin folgt den beiden, die .Kamera klickt. „Warte, ich kriege dich!“ ruft er. Sie schreit, wehrt sich, versucht ihn wegzustoßen, der Fotoapparat klickt. An einem Bein zieht und zerrt er sie  durch den Sand, erst im Wasser lässt er sie los. Sie will sich rächen, kreischt, bewirft ihn Modder, mit nassem Sand. Er springt auf sie zu, wirft sich auf sie und drückt sie unter Wasser. Derweil geht die Frau um die beiden herum, fotografiert die miteinander ringenden, verdrehten, sich extrem bewegenden Körper, die dünnen Arme, schmale Finger, Rippen, Beckenknochen, überdehnte Oberkörper, lang gestreckte Beine. Das Mädchen kann sich befreien, taucht neben ihrem Bruder auf. "Lass mich in Ruhe!", schimpft sie. "Hab dich nicht so zickig!", erwidert er. Minuten später kommen beide erschöpft und außer Atem aus dem Wasser zurück, werfen sich in den Sand und bleiben reglos liegen. Die Fotografin haben sie längst vergessen.   

 "Schönheit fängt mit Staunen an."  Anke Maggauer-Kirsche

 

 Ideal Figur – Körper

Künstler, Maler, Bildhauer rückten mehr und mehr den idealen Körper in den Blick (Leonardo da Vinci „Der vitruvianische Mensch“).  Die nackte Venus gleitet auf einer Muschel dahin (Sandro Boticelli „Die Geburt der Venus“).  Menschliche Gestalten winden sich schlangenartig mit überlangen und verdrehten Körpern nach oben (Giovanni da Bologna „Raub der Sabinerin“)." 

    "Einzig bist du meine Taube, du Makellose. We eine Palme ist dein Wuchs, deine Arme und Beine sind lang, deine Brüste wie Trauben. Wie schön bist du und wie reizend!"  Hohelied, Hdl 7,1

 

Emotion in Weiß

Ideal Figur –  Freikörperkultur (FKK)

Der Strand hat sich bevölkert, Kinder, junge und alte, große und kleine, braun gebrannte und blasse, nackte Körper, Bäuche, Brüste, Arme, Beine, alles läuft und bewegt sich unbefangen hier am Strand. Da taucht eine Familie auf. Die Eltern, ein Junge und zwei Mädchen legen eine Decke, den Windschutz, ihre Kleidung ab, schauen sich um, dehnen und strecken sich, „atmen“ das Licht, die Luft, das Meer. „Geht ihr mit ins Wasser?“ Alle laufen in die Wellen hinein, bespritzen sich, tauchen unter und - gehen hinüber zum Volleyball. Dort spielen sie unbefangen mit anderen Männern und  Frauen, die ebenso nackt sind wie sie, lachen, springen hoch, stoßen sich, berühren sich, fallen in den Sand. Und jeder weiß, dass die hier sichtbare Freiheit nichts mit Sexualität zu tun hat und es darum auch keine Schamgefühle gibt. In einer solchen freien, freizügigen Umgebung findet ein Maler, ein Fotograf sein Modell leichter als anderswo.   

    "Es hat mir gefallen, ein Mädchen zu nehmen, das nicht errötet, wenn es mich den Pinsel zur Hand nehmen sieht."  Peter Paul Rubens (1577 - 1640) 

 

FKK zu DDR-Zeiten

 

Ideal Figur – Die Brücke

Einen Moment überlegt das Mädchen, dann streckt es die Arme hinter den Kopf, stützt die Hände auf – und versucht, das Becken anzuheben, den ganzen Körper nach oben zu drücken. Das gelingt ihm, der ganze mädchenhafte Körper ist wie ein Flitzbogen gespannt, ist durchgebogen bis zur Schmerzgrenze. Bleib so!“, ruft die Mutter. Die Tochter hat den  Mund geöffnet ,  atmet tief. Arme und Beine vibrieren unter der körperlichen Anstrengung. Die Brust ist gedehnt und abgeflacht, der Rand des Beckens steht hervor, der Bauch ist gestrafft und glatt. Der Fotoapparat klickt.  „Ich kann nicht mehr!“ stöhnt sie, knickt  die Arme ein und lässt sich auf den Boden zurückfallen.

       "Wenn ich, Augenlust zu finden, ein schönes Mädchen sehe, möcht' ich lauter Auge sein." Gotthold Ephraim Lessing

  

Nackte Blaue, Henri Matisse 

Haltungsstudie II. Bleistift laviert, 208x296 (Ausschnitt). Christoph Rosenow 

Ideal Figur – Bruno Bruni

Bruni, geb. 1935 hat sich mit seinen figurativen Motiven als Zeichner, Lithograf, Maler und Plastiker schon in den 70er Jahren international einen Namen gemacht. Bruni bemühte sich, mit seinen Bildern die Spannung zwischen italienischer künstlerischer Tradition auf der einen Seite und dem Surrealismus und abstrakten Expressionismus andererseits umzusetzen. Nach 1962 studierte er bei Paul Wunderlich, der ihn die Technik der polychromen Lithografie lehrte.   

  "Wie goldene hohe Säulen sind schlanke Beine auf wohlgeformten Füßen." Jesus Sirach     

 

Mädchen mit Tuch, Aquarell. Christoph Rosenow

Idel Figur – Accessoires

Er betrachtet das Mädchen: Hochgewachsen, dünn und schmal, mit langen Armen und Beinen, feingliedrigen Fingern, noch kindlich flacher Brust steht es ihm gegenüber. Er überlegt - und fängt an, ihm schmale und breite Ringe auf die Finger zu stecken. Dann kniet er sich und legt ihm Kettchen um die Fußknöchel und erklärt: „Beigaben sind sehr wichtig, in der Mode, eigentlich überall!“ .Er zeigt ihm Schmuck, einige Accessoires, zieht dem Mädchen eine transparente Bluse mit floralen Stickereien an, knöpft die Bluse wieder auf, legt ihm eine Perlenkette um den Hals. Dann reicht er dem Mädchen einen Korb mit Blumen, nimmt ihm den aber wieder ab und sagt:  “Weniger ist mehr.“ Schließlich fotografiert er es nur mit einem Handtuch auf der Schulter. 

    Es sind Smaragde die uns zeigen was schön ist.  Rose Schlampenreich

 

Ideal Figur - Michael Parkes

 Parkes studierte Grafik und Malerei an der University of Kansas. Als Student begann er in einem akribischen Stil detaillierter Darstellung zu zeichnen und zu malen. Er war von verschiedenen grafischen Verfahren fasziniert und beherrschte schließlich das schwierige Medium der Farbsteinlithographie. Dieser Stil ist realistisch, verwendet aber oft magische Themen mit Bildern aus einer Reihe von Traditionen. Seltsame Bestien begegnen mysteriösen geflügelten Frauen, Gut und Böse kämpfen ihren ewigen Konflikt.   Michael Parkes ist der weltweit führende Maler, Bildhauer und Steinlithograph des magischen Realismus. Sein jahrzehntelanger Erfolg als bildender Künstler zeichnet sich in einer Kunstwelt aus, in der nur wenige Künstler Erfolg haben. Seine Werke werden von Prominenten, von privaten Sammlern und Galerien auf der ganzen Welt gesammelt.

    "Blind sind alle, die alles sehen und sich der Schönheit nicht gewahr werden!"  Thomas S. Lutter (*1962)

 

 Ideal Figur – Faszination

Ein Ball prallt gegen seine Schulter. Der Mann schaut auf. Ein Mädchen kommt auf ihn zu, entschuldigt sich, beugt sich zu ihm und streckt ihm die Hände entgegen: „Bitte, geben Sie mir den Ball zurück?!“ Er greift den Ball, wendet sich dem Mädchen zu – und für Bruchteile von Sekunden ist er überwältigt, fasziniert von der Gestalt dieses jungen Mädchens. Er sieht  die langen dünnen Beine des Mädchens, der Bauch, die noch kindlich flache Brust, den langen Hals, das Gesicht. Zwei große Augen schauen ihn an. Er gibt dem Mädchen den Ball zurück und fragt: „Darf ich Dich mal fotografieren?  Noch bevor es antworten kann, greift er zur Kamera und sagt:. „Bleib so wie Du bist!“ Die Kamera klickt. Er geht um das Mädchen herum, sucht den schönsten, den aufregendsten Blickwinkel. Die Kamera klickt. „Ich glaube, meine Eltern warten auf mich!“, sagt es. Er bedankt sich und zeigt auf seine Kamera: „Wenn Du möchtest, schicke ich Dir die Bilder!“ Das Mädchen nickt  und - lächelt erlöst.

  "Blind sind alle, die alles sehen und sich der Schönheit nicht gewahr werden!"   Thomas S. Lutter (*1962) 

 

Beethovenfries, Gustav Klimt 

Ideal Figur – Gustav Klimt

Die Hingabe an den Stoff und zugleich seine Meisterung – machen Klimt zu einem Künder der weiblichen Schönheit; tausende von Zeichnungen erzählen, wie tiefernst es ihm um diesen Kult zu tun war  

   …Die Zeichnungen,  von einer sinnlich gefühldurchzitterten Geschmeidigkeit bestimmt, sind in der ganzen Kunst von heute ohnegleichen. Oft werden die schlangenhaft gedrehten Figuren durch fließende Umrisslinien betont. Unaufzählbar viele Farben und Farbenklänge strahlen Milliarden Blüten zugleich mit linden oder scharfen, süßen oder herben Düften aus."    

 

 Ideal Figur – Die Perspektive 

Das Model hat sich bäuchlings in den Sand gelegt und sein Gesicht auf die Arme legt. Den Anweisungen des Fotografen folgend, hebt es nun seinen Oberkörper an, stützt sich auf die Hände, Schlüsselbein und Schultern stechen nach oben. Nun zieht es die Schultern bis zur Schmerzgrenze nach hinten, drückt seinen Oberkörper durch, die Brust dehnt sich nach vorn. Die lang gestreckten Arme, die angewinkelten Beine, der Abschnitt vom Knie  bis zur Fußspitze, der durchgebogene Oberkörper und die abgeflachte Brust ergeben faszinierende Linien, lange gerade und gezogene. Eilig  sucht er die beste Perspektive, den aufregendsten Blickwinkel, fotografiert aus allen Richtungen, aus der Frosch- und aus der Vogelperspektive.

       " Das Auge erfasst die Form, die vom Geist mit Schönheit geschmückt wird."  Harald Gebert (*1951) 

 

Mädchen  nach vorn aufgestützt. Farbstift.  Christoph Rosenow   

 

Liegende II, 1994. Christoph Rosenow

 

Claudiia. Aquarell. 19996. Christoph Rosenow 

Liegende IV, 1992. Christoph Rosenow

Ideal Figur – Weitwinkel

In der Fotografie wird gern das „Kunstobjektiv“, das Weitwinkelobjektiv verwendet. Das Besondere: Es hat einen Bildwinkel, der größer ist als der von Normalobjektiven. Die dadurch entstehenden stürzenden Linien werden ganz bewusst für die Bildkomposition genutzt. Wer ein solches Objektiv verwendet und dazu die Blende so weit wie möglich schließt, um die größtmögliche Tiefenschärfe zu erreichen, lässt sich auf eine neue Blickweise ein. Alles wirkt so weit, so tief, so lang gezogen, so aufregend schön! Eine Straße etwa, die auf den Horizont zu verläuft, erscheint sehr viel länger und weiter, als sie es in Wahrheit ist. Wenn ein Modell seine Gliedmaßen  dem Fotografen so weit wie möglich entgegen streckt, kommt das Weitwinkelobjektiv erst richtig zur Geltung, Arme oder Beine wirken gedehnt, überlang,. Die ganze Gestalt wirkt von vorn nach hinten verjüngt.  

          "Blind sind alle, die alles sehen und sich der Schönheit nicht gewahr werden!"   Thomas S. Lutter (*1962)

 

In Bewegung III,  Collage, Bildtransfer 560x250, 2019  Christoph Rosenow 

 

Ideal Figur -  Zartheit

Ein junges, zurückhaltendes Mädchen empfinden wir äußerlich als zart und verletzlich, wenn der Brust-, Taillen- und Hüftumfang weniger als 90 – 60 -  90 cm beträgt. Alter 14 bis 16 Jahre. Gewicht zwischen 40 und 55 Kilogramm. Größe 1,75 bis 1,80 m. Hochgewachsen, schmal, feingliedrig. Der Körper unbehaart. Glatte straffe Haut. Ein langer Hals. Eckige und doch gerundete Schultern. Sich deutlich unter der Haut abzeichnende Wangenknochen, Schulterblätter, Schlüsselbein, Rippen und  Beckenknochen. Eine noch mädchenhafte flache, gehobene Brust. Schmale Arme, lange feingliedrige Hände und Finger. Ein flacher glatter Bauch,  besonders lange dünne Beine, Knie und Knöchel auffallend und markant. Schmale Füße.  

     "Vor der Anmut und Reinheit wahrer Schönheit senkt der Betrachter den Blick, ohne ihn abwenden zu können."  Ekkehart Mittelberg (*1938) 

 

Selbstbildnis als Akt, Albrecht Dürer 

Nike. 1977. Paul Wunderlich

Ideal Figur – Paul Wunderlich

Paul Wunderlich, geb. 1927, Maler, Grafiker und Bildhauer gilt als wichtigster Vertreter des Phantastischen Realismus und gehörte wie kaum ein anderer Kunstschaffender unserer Zeit zu den stilbildenden Künstlern der Moderne.

In seinen neusurrealistischen Gemälden, Lithografien und Skulpturen beschäftigte er sich überwiegend mit den Themen Eros und Tod. Dabei bezog er sich häufig auf die Mythologie und ließ sich von verschiedenen Kunstrichtungen wie dem Art Deco, Salvador Dali und dem Jugendstil sowie von klassischen Künstlern wie Dürer inspirieren. Wunderlich experimentierte viel. Er ließ sich von fotografischen Vorlagen inspirieren, malte Gemälde mit der Spritzpistole und Schablonen und begann plastisch zu arbeiten.   

     "Blind sind alle, die alles sehen und sich der Schönheit nicht gewahr werden!"   Thomas S. Lutter (*1962)

 

Haltungsskizze, Bleistift laviert. 19996. Christoph Rosenow

Figurenplan 3, Oskar Schlemmer