Ideal Figur I

Manche Schönheit blüht im Verborgenen, um sich vor den Blicken der Oberflächlichkeit zu schützen.

   Helga Schäferling (*1957)

Wenn wir schön sind, sind wir ungeputzt am schönsten. Jeder Mensch trägt einen Zauber im Gesicht; irgendeinem gefällt er.

              Christian Friedrich Hebbel 

Blind sind alle, die alles sehen und sich der Schönheit der Dinge nicht gewahr werden!

               Thomas S. Lutter (*1962)

Es hat mir gefallen, ein Mädchen zu nehmen, das nicht errötet, wenn es mich den Pinsel zur Hand nehmen sieht.

             Peter Paul Rubens (1577 - 1640)

Schönheit ist die Begebenheit eines Augenblicks, die dir ermöglicht, selbigen für immer in deinem Herzen zu tragen.

                  Nadine Prota (*1977)

Stehst du vollends da wie Aphrodite auf dem Ida, dann strahlen mir tausend bisher verborgene Schönheiten in die Augen.

                  Flavius Philostratos (um 200 n. Chr.)

Vor der Anmut und Reinheit wahrer Schönheit senkt der Betrachter den Blick, ohne ihn abwenden zu können.

                    Ekkehart Mittelberg (*1938) 

Schön bist du, meine Freundin, ja, du bist schön.

Dein Haar gleicht einer Herde von Ziegen, die von Gilead herabziehen.
Hinter dem Schleier sehe ich deine Augen wie Tauben, du Makellose. Rote Bänder sind deine Lippen; lieblich ist dein Mund. Wie der Turm Davids ist dein Hals. Deine Brüste sind wie zwei Kitzlein, wie die Zwillinge einer Gazelle, die in den Lilien weiden.

 

       Die Bibel, Hohelied der Liebe

Schönheitsideal, Zwang und Leiden

Seit Urzeiten setzen Menschen die unterschiedlichsten Mittel ein, um den jeweils vorherrschenden Schönheitsvorstellungen zu entsprechen. Da wurde der Körper drastisch verändert, Zähne zugefeilt, Füße eingeschnürt und verkrüppelt. Das Tragen von Korsetten führte zu Deformierungen der Rippen und  des Brustkorbs,  Schönheitsoperationen taten das Übrige.

Bis heute setzen sich Menschen unter Druck, sie hungern sich auf eine Größe 34 oder 36 herunter, sie bilden Minderwertigkeitsgefühle aus – nur um in den Augen anderer schön zu sein und beachtet zu werden.

Die absolute Schönheit, Vollkommenheit wird auf diese Weise nie erreicht, denn zu unserer Wirklichkeit gehört immer auch das Unschöne, das Unvollkommene.

Um so mehr gilt: Ein Ideal sollte immer das bleiben, was es ist, ein Traum, eine unerreichbar ideale, d.h. absichtlich verzerrte, harmonische Darstellung einer Landschaft, einer Architektur, eines Ornamentes, eines Gesichtes, eines Körpers, der Gliedmaße eines Menschen. Die wurden dann aber auch zu Recht in allen Zeiten bestaunt und bewundert.  

 

 

Überaus entzückend ist in der antiken Skulptur die Stellung der drei nackten Grazien. Ich werde Ihnen das mal vormachen. 

            Johann Georg August Galletti

Einst hatt' er sich ein Bild gemacht,

es staunte, wer es sah.

Es stand in aller Schönheit Pracht

ein junges Mädchen da.

                Johann Wolfgang von Goethe (1749 - 1832)

Alles an dir ist schön, meine Freundin; kein Makel haftet dir an.

 

           Die Bibel, Hohelied der Liebe

Wer sich gegen das Nackte empört, weil es nackt ist, zeigt, dass er aus dem Paradies der Schönheit vertrieben ist.

Peter Sirius (1858 - 1913)

Dem Herzen eines Mädchens ist ihre eigene Schönheit und ihr Liebreiz teuer.

               Ovid (43 v. Chr. - 17 n. Chr.)

Manche Schönheit blüht im Verborgenen, um sich vor den Blicken der Oberflächlichkeit zu schützen.

          Helga Schäferling (*1957)

Es gibt die keusche Anmut des Ebenmaßes und die sinnliche Schönheit des Unregelmäßigen.

Fritz P. Rinnhofer (1939 - 2020)

Trauernde.  Öl.  Christoph Rosenow

Die Schönheit der Natur zeigt sich nur dem, der Augen dafür hat.

             Engelbert Schinkel (*1959)

Schönheitsideal – Streckung

Seit Urzeiten sehnen sich Menschen nach Fehlerlosigkeit, nach Vollkommenheit, nach absoluter Schönheit. Um dieser Sehnsucht Ausdruck zu verleihen, suchten sie nach Abbildern und Vorbildern– suchten nach einem künstlerischen Stil.

Zur Zeit des Barock etwa wurden die Gestalten, der Körper gerundet (Peter Paul Rubens). 

 Im frühen Mittelalter hingegen, im Jugendstil (Casa Padrino, Job Mucha), auch in der Neuzeit (Modigliani, Kareem Iliya) fanden Künstler, Maler und Bildhauer ihren je eigenen Stil, indem sie Figuren und Gestalten stilisierten, streckten, dehnten, in die Länge zogen oder aber in gedachte Formen wie Dreiecke, Kreise, Ovale einfügten (Oskar Schlemmer, Lyonel Feininger). In der Fotografie erreichte man das, in dem man das „Kunstobjektiv“, das Weitwinkel-Objektiv benutzte. Die Bilder dann z.B. mit Photoshop zu bearbeiten, war nicht nur legal, sondern geradezu erforderlich.

Wie eine Palme ist dein Wuchs; deine Brüste sind wie Trauben.
           Die Bibel, Hohelied der Liebe

Stehst du vollends da wie Aphrodite auf dem Ida, dann strahlen mir tausend bisher verborgene Schönheiten in die Augen.

                 Flavius Philostratos (um 200 n. Chr.)

Natürliche Schönheit hat, wer umso mehr anzieht, je mehr er auszieht.

                 Fritz-J. Schaarschuh (*1935)

Jede Knospe erblüht nur ein Mal und jede Blume hat nur ihre eine Minute vollendeter Schönheit 

Henri-Frédéric Amiel (1821 - 1881)

Vor der Anmut und Reinheit wahrer Schönheit senkt der Betrachter den Blick, ohne ihn abwenden zu können.

                 Ekkehart Mittelberg (*1938)

Schön wie Tirza bist du, meine Freundin. Wer ist, die da erscheint wie das Morgenrot, wie der Mond so schön, strahlend rein wie die Sonne, prächtig wie Himmelsbilder?

            Die Bibel, Hohelied der Liebe

 

 

Es sind Smaragde die uns zeigen was schön ist.

                Rose Schlampenreich

 

Schönheitsideal - Ikonen

Manche Schönheitsikonen vergangener Zeiten, wie beispielsweise die Venus von Milo oder Raffaels Madonnen werden auch von heutigen Menschen als schön und nachahmenswert empfunden.

Altägyptische Kultur:

Es gab kunstvoll gearbeiteten Schmuck und feinste durchsichtige Stoffe, die die Körperformen durchschimmern ließen. Nofretete bedeutete: „Die Schöne ist gekommen“. Ihre berühmte Büste wirkt erstaunlich lebensecht. Die Gesichtszüge sind harmonisch, die Augen ausdrucksvoll, der Mund voll und sinnlich, der Hals auffällig lang und anmutig. Ihr Körper zeigt ausgeprägte weibliche Kurven bei eher kleinem Busen.

Griechische Klassik:

 

An Statuen wie der Venus von Milo wird ersichtlich, dass der ideale Frauenkörper harmonische Proportionen hatte, eher kleine aber feste Brüste, dazu ein wohl geformtes Becken. An männlichen Idealfiguren gab es verschiedene Typen: Einerseits den jugendlichen Athleten, aber auch fein gearbeitete Skulpturen wie die des Apollon

Schönheitsideal - Aktzeichnen

 Das  Aktzeichnen z.B. ist ein figürliches Naturstudium, um die Proportionen und die Anatomie der menschlichen Gestalt kennenzulernen und künstlerisch umzusetzen. Dabei werden die Teile des Körpers in ihrem Aufbau, ihrer Funktion und ihrer räumlichen Ausdehnung betrachtet und der körperlichen Gesamtgebärde untergeordnet. Da jeder Mensch anders ist, gibt es keine starren Größenverhältnisse, doch ist die Kenntnis einer idealen Proportionslehre dienlich. Hüftregion und Brustkorb sind konstante Formen und können sich in ihrer Lage zueinander durch Beugung und Bewegung stark verändern.

Die Skelettformen sind dabei wichtiger als die Muskulatur, so dass es oft von Nutzen ist, stark vereinfachte Knochen als gerade Striche in die Umrisse einzuzeichnen, damit die Mechanik des Körpers verstanden wird. 

Alles Schöne macht Durst nach noch vollkommenerer Schönheit und Vollkommenheit.

                       Christian Morgenstern (1871 - 1914)

Schön bist du, meine Freundin, ja, du bist schön. Du Edelgeborene

Dein Haupt gleicht oben dem Karmel; wie Purpur sind deine Haare.

Hinter dem Schleier sehe ich deine Augen wie Tauben, du Makellose.

Apfelduft sei der Duft deines Atems, dein Mund köstlicher Wein.

Deine Nase ist wie der Libanonturm, der gegen Damaskus schaut.

Dein Hals ist ein Turm aus Elfenbein.

Rote Bänder sind deine Lippen; lieblich ist dein Mund.

Dein Leib ist ein Weizenhügel, mit Lilien umstellt.

Deine Brüste sind wie zwei Kitzlein, wie die Zwillinge einer Gazelle.

Deiner Hüften Rund ist wie Geschmeide, gefertigt von Künstlerhand.

Dein Schoß ist ein rundes Becken.

Wie schön bist du und wie reizend!

                                      Die Bibel, Hohelied der Liebe

Wie die Natur sie gegeben hat, so ist jede Schönheit richtig.

                                                Sextus Aurelius Properz (49 - 15 v. Chr.)

Kein Chirurg kann das wichtigste Merkmal der Schönheit implantieren: die Anmut.

                 Ekkehart Mittelberg (*1938) 

 Du Edelgeborene. du Makellose. Wie schön bist du und wie reizend!

      Die Bibel, Hohelied der Liebe

Schönheitsideal - Maße­

Es gab Epochen, in denen „barocke“ und füllige Formen modern waren, während zu anderen Zeiten ein eher schlankes Ideal bevorzugt wurde. Idealmaße schwanken: Gilt heute bei Models ein Taillenumfang von 60 als ideal, so durften es zu Zeiten der Wespentaille allerhöchstens 54 cm sein.

Für das Gelingen einer Aktzeichnung etwa sind die Messpunkte der Öffnung des Gehörs, Schultergelenk, Ellenbogengelenk, Hüftgelenk, Kniegelenk und Sprunggelenk wichtig. Der Schwerpunkt befindet sich zwischen dem ersten und zweiten Kreuzbeinwirbel. In der Profilansicht knickt der Oberkörper gegen das Becken mit einem flachen stumpfen Winkel nach vorne und hinten ab. Hüftregion und Brustkorb sind konstante Formen und können sich in ihrer Lage zueinander durch Beugung und Bewegung stark verändern.

Entscheidend ist das proportional korrekte Abbilden von Händen und Füßen. In der Regel reicht die Hand vom Kinn etwa bis zum Haaransatz. Der Fuß ist ungefähr so lang wie der Unterarm ohne die Hand. 

Auch gibt es Hinweise, dass der Goldene Schnitt bei der ästhetischen Bewertung beispielsweise eines Gesichtes eine Rolle spielt. So seien ein vertikaler Abstand zwischen Augen und Mund von 36 % der Gesichtslänge und ein horizontaler Abstand zwischen den Augen von 46 % der Gesichtsbreite ideal.

 

 

Man muss seine Schönheit dort zeigen, wo man sie hat.

                                                        Germaine de Staël (1766 - 1817

Die Schönheit der Natur zeigt sich nur dem, der Augen dafür hat.

              Engelbert Schinkel (*1959) 

Das Auge erfasst die Form, die vom Geist mit Schönheit geschmückt wird.

             Harald Gebert (*1951)

Manche Schönheit blüht im Verborgenen, um sich vor den Blicken der Oberflächlichkeit zu schützen.

           Helga Schäferling (*1957)

Alles Schöne macht Durst nach noch vollkommenerer Schönheit und Vollkommenheit.

Christian Morgenstern (1871 - 1914)

Ihr lasst um jede Attitüde ein weiß gewaschnes Hemdchen wehn,

denn um die Schönheit nackt zu sehn, sind eure Seelen viel zu prüde!

 

               Arno Holz (1863 - 1929)

Den Toren fesselt der Gewänder Pracht,

Den Weisen nur der Schönheit stille Macht.

                       Gerhard Adam Neuhofer (1773 - 1816)

Wer sich gegen das Nackte empört, weil es nackt ist, zeigt, dass er aus dem Paradies der Schönheit vertrieben ist.

Peter Sirius (1858 - 1913)

Es gibt nur eine Unanständigkeit des Nackten, das Nackte unanständig zu finden!

           Peter Altenberg (1859 - 1919)

            Nackte Jugend verzaubert.           Martin Gerhard Reisenberg

Alles an dir ist schön, meine Freundin; kein Makel haftet dir an.

         Die Bibel, Hohelied der Liebe

 

 

Schönheitsideal - Stilrichtungen

 Seit Jahrhunderten beschäftigen sich die unterschiedlichsten Künstler, Maler, Bildhauer, Fotografen mit der Frage, wie man den menschlichen Körper darstellen, zeigen, malen und fotografieren kann. Dazu wird der Körper bis heute in seiner äußeren Erscheinung studiert: Was  geschieht mit Knochen, Muskeln, Gelenken und Bändern? Wie verändern sich der Rumpf, die Glieder mit einer bestimmten Haltung, einer Bewegung, einer Drehung, einer Streckung?

 Dabei bildete sich eine Vielzahl an künstlerischen Stilrichtungen heraus. In bestimmten Epochen dominierte in der Malerei, in der Bildhauerei und in der Fotografie das männliche Ideal (körperliche Kraft und Schönheit), zu anderen Zeiten das Ideal der Frau (Zartheit, grazile Schönheit). Gesicht, Körper, Gliedmaße werden bis heute realistisch oder abstrakt, oftmals idealisiert dargestellt. Dazu verfremdete, beschönigte man die Körper, rundete oder überdehnte, streckte sie.   

Apfelduft sei der Duft deines Atems, dein Mund köstlicher Wein. Wie eine Palme ist dein Wuchs; deine Brüste sind wie Trauben.
            Die Bibel, Hohelied der Liebe

Schönheit kann man nicht finden, man muss sie entdecken.

    Julian Nasiri (*1983)

Das Auge erfasst die Form, die vom Geist mit Schönheit geschmückt wird.

Harald Gebert (*1951)

Dem Herzen eines Mädchens ist ihre eigene Schönheit und ihr Liebreiz teuer.

Ovid (43 v. Chr. - 17 n. Chr.) 

Die Vervollkommnung des Körpers zeigt sich in Schönheit, Anmut und diamantener Festigkeit.

Patanjali  (2. Jh. v. Chr.)

Linien und Strukturen. Bleistift laviert.  Christoph Rosenow

Alles an dir ist schön, meine Freundin; kein Makel haftet dir an.

 

                Die Bibel, Hohelied der Liebe

Venus flocht den Frauen allen
eine Perle in das Leben.
Schönheit hat sie hold der Einen,
Anmut – Majestät und Güte –
Zauber – ros'ge Tugendblüte,
Liebreiz noch,
einer Andern zu gefallen,
gnädig mit zur Welt gegeben. –
                                                          Unbekannt

Natürliche Schönheit hat, wer umso mehr anzieht, je mehr er auszieht.

                      Fritz-J. Schaarschuh (*1935)

Es liegt im menschlichen Geschlechte, das wundervolle Ding der Schönheit.

             Adalbert Stifter (1805 - 1868)

Vor der Anmut und Reinheit wahrer Schönheit senkt der Betrachter den Blick, ohne ihn abwenden zu können.

Ekkehart Mittelberg (*1938), 

Haltungsstudie. Bleistift laviert.  Christoph Rosenow

Kunst – das ist der Gestus der Schönheit. Das heißt, man tue die Augen auf und studiere die Natur.

                               Ferdinand Hodler (1853 - 1918)