1.Mo 8,12,   Noah und die Taube  -  Dass wir auf den grünen Zweig kommen        Gottesdienst mit Bläserkreis   15.2.2004

 

1.Mose 8,12

Noah  wartete noch einmal sieben Tage, dann ließ er die Taube zum dritten Mal fliegen. Diesmal kehrte sie nicht mehr zurück.

 

Liebe Gemeinde, liebe Bläser,

Ich las, dass es insgesamt, über die ganze Welt verstreut, mehr als 250 Fluterzählungen gibt. Besonders das sumerischeGilgamesch-Epos mit der Schilderung einer Flut, es besingt den Helden und König Uruk,  ist unserer biblischen Noah-Erzählung ganz besonders ähnlich:

Wie nun der siebte Tag herbeikam, ließ ich eine Taube hinaus, Die Taube machte sich fort und kam wieder: Kein Ruheplatz fiel ihr ins Auge, da kehrte sie um. Einen Raben ließ ich hinaus. Auch der Rabe machte sich fort, da sah er, wie das Wasser sich verlief. Fraß er, scharrte, hob den Schwanz – und kehrte nicht um. Da ließ ich hinausgehn nach den vier Winden, ich brachte ein Opfer dar.

Und so nimmt man an, dass hinter beiden Erzählungen, dieser und der biblischen, eine gemeinsame Überlieferung steht.

Was ist aber nun die Absicht dieser Urzeit-Erzählungen? Warum wurden sie geschrieben?

Sie alle schildern eine Weltkatastrophe. Die Menschheit geht unter, wird zerstört, vernichtet – doch ein Rest von Menschen und Tieren überlebt. Und zum Schluss kann das  Fest der Wiederauferstehung der Menschen gefeiert werden.

Wir dürfen annehmen, dass es begrenzte geschichtliche Ereignisse gab, etwa eine Überschwemmung im Orient, die Anlass zu einem solchen Erzählen gab.

Aber alle diese Flutgeschichten, auch die Noah-Geschichte, haben dies gemeinsam, dass sie Grundfragen stellen und diese zu beantworten  versuchen, Fragen, die Menschen beschäftigen seit es Menschen gibt:

Etwa die Frage: Woher kommt das Böse? Warum lässt Gott das zu? Woher Hoffnung nehmen? Was erwartet uns in Zukunft? Was können wir selber zum Schutz des Lebens tun?

Ich hatte in Händen eine Zeichnung, auf der einige Hochhäuser zu sehen sind, 10 bis 15 Etagen hoch. Auf einem der Flachdächer, ganz oben - ein Holzkasten, riesengroß. Es ist deutlich zu sehen: Das soll die Arche sein. Und der Titeldieses Bildes: Erwartung.

Ja, worauf wartet der Künstler? Worauf warten wir – noch, wenn wir nicht sagen und denken: „Nach uns die Sintflut“ und gedankenlos dahinleben? Auf die Katastrophe? 

Und die Geschichte beginnt:

Gott Jahwe sah, dass die Bosheit des Menschen auf der Erde zunahm und dass alles Sinnen und Trachten immer nur böse war. 1.Mose 8,5:

Da kommt der Mensch, die Menschheit in den Blick. Ganze Gesellschaften und Generationen, so meint dieser Satz,  zeigen sich verdorben und korrupt!

Wo sind wir hingeraten, am Anfang des 21. Jahrtausends, fragen wir. Indien testete Boden-Luftrakete. Erneut monatelanges Martyrium an Schule entdeckt… Klonversuch gelungen… In jeder Minute sterben Tier- und Pflanzenarten aus, unwiederbringlich.

Warum ist das so? Warum musste das so kommen? Was ist die Ursache, dafür und dafür?? Schon immer fragten Menschen genau das.

Und - sie fragen: Wie kann Gott das zulassen?  Ist Gott so brutal?  Hat er uns dem Selbstlauf, einem blinden Schicksal überlassen?

Und das ist die erste Antwort:

Gott Jahwe sah, dass die Bosheit des Menschen auf der Erde zunahm… Das ist  die Ausgangssituation:

Wir Menschen sind so, wie wir sind. Wir haben das vermasselt, was doch gut angelegt war!   Und nicht: Warum lässt Gott das zu!

Und darum beschließt Gott nun, in der Tat, dass die Flut kommen soll, auch wenn ihn dies alles bekümmert bis ins HerzV. 6:  Ich will den Menschen, den ich erschaffen habe, vom Erdboden vertilgen.

Es entsprach der allgemeinen Wirklichkeitserfahrung, dass Gott Leben gibt – und Leben nimmt.  Ein nur „lieber“ Gott war in den frühen Kulturen nirgendwo denkbar, auch nicht in der Bibel.

Die Erzählung schildert nun, wie Noah ein Schiff baut, eine Arche, mitten auf dem Land. Stellen wir uns die Menschen vor, wie sie dastehn und verständnislos den Kopf schütteln – und ihren alten Stremel weiterleben.

Dann der tagelange Regen. Die Flut, die Katastrophe kommt. Nein, noch mehr: Eine ganze Chaosmacht überschwemmt die Welt.

V.11:   An diesem Tag brachen alle Quellen der gewaltigen Urflut auf, und die Fenster des Himmels öffneten sich.

Weltuntergangsstimmung!

Da gab es die Estonia-Katastrophe und das eisige Wasser, das zum Grab wurde für Tausende. Malen Sie sich das nur mal bildhaft aus!

Oder halten Sie sich die Bilder des 11. September vor Augen, als die beiden Wolkenkratzer in sich zusammenstürzten und die Menschen durch den Staub irrten in den Straßen von Manhattan…

Und Noah mit seinen Leuten und den Tieren mitten drin…

Die Arche aber nun, auf den Wassern schwimmend, wird zu einem Symbol der Rettung, zu einem Ort der Zuflucht, der Geborgenheit.

Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt, fährt durch das Meer der Zeit, sangen wir in der Jungen Gemeinde. Bleibe bei uns Herr, denn sonst sind wir allein auf der Fahrt durch das Meer, o bleibe bei uns, Herr…

Für die Menschen in der Arche geschieht die große Wende: Im Kapitel 8, 1ff: Da  dachte Gott an Noah und an alle Tiere… Noah fand Gnade in den Augen des Herrn, und darum schließt Gott mit ihm nun einen Bund.

Das ist eine weitere Antwort auf die Fragen, die uns manchmal bedrängen, Fragen nach dem Tun, nach dem Wesen Gottes.

Es gereute Gott… und bekümmerte ihn tief.

Gott denkt an die, die ihm vertrauen. Die tun, was er sagt. Deren Schicksal ist ihm nun nicht egal!!

Dann der Rabe, wenig später die Taube, die drei Mal losgeschickt wird und endlich mit dem Blatt des Ölbaumes zurückkehrt, dem Zeichen für neues Leben.

Land kommt in Sicht. Die da die Arche verlassen, können das Leben neu beginnen. Sie bekommen nun – ich sag´s mal so -  ein Bein auf die Erde, weil die schmutzigen Wasser des Bösen,  abgeflossen sind, die Wasser der Sündflut, des Unfriedens, des Hasses, des Neides, in  denen wir untergehen, mit denen die Umwelt verschmutzt wird. Das alles ist nun abgeflossen. Die Erde wird in Zukunft bewohnbar sein.

Vers 20: "So ging Noah heraus … baute einen Opferaltar für den HERRN. …21 Der HERR roch den besänftigenden Duft des Opfers und sagte zu sich selbst: »Ich will die Erde nicht noch einmal bestrafen, nur weil die Menschen so schlecht sind! Alles, was aus ihrem Herzen kommt, ihr ganzes Denken und Planen, ist nun einmal böse von Jugend auf. Ich will nicht mehr alles Leben auf der Erde vernichten, wie ich es getan habe.22 Von jetzt an gilt, solange die Erde besteht: Nie werden aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.«

Und dann der Regenbogen nach dem Gewittersturm, der Regenbogen über allem - als Zeichen des Friedens zwischen Gott und den Menschen. Daran geknüpft das Versprechen, in Zukunft alles Leben zu erhalten, so lange die Erde besteht…

Vielleicht empfinden Sie ja mit mir diese ungeheure Spannung in dieser uralten Fluterzählung:

Auf der einen Seite der brutale Gedanke, dass Gott seine Schöpfung bereuen und die Menschheit umbringen könnte, weil sie so ist wie sie ist.

Auf der anderen Seite aber - denkt Gott an Noah und alle Tiere. Was passiert, bekümmert ihn tief. Er empfindet, er leidet in seinem Herzen mit – und riecht den lieblichen Geruch des Noah-Opfers und spricht daraufhin in seinem Herzen: Ich will in Zukunft die Erde nicht mehr verfluchen.

So hart – aber doch dann so überaus menschlich kann Gott sein.

Das Gilgamesch-Epos erzählt, dass dem bewahrenden Gott -   ein vernichtender Gott entgegentritt, also so was wie ein Kampf der Götter, ein Kampf zweier Welten, passiert.

In der Bibel, ganz anders, verlagert sich der Zwiespalt, diese Spannung, die wir empfinden, in den einen Gott hinein. Gott Jahwe fasst tatsächlich den Beschluss der Vernichtung, schweren Herzens, aber was für menschliche Züge gewinnt er nun. Noch mehr:

Gott selber ändert sich!! Er hätte genug Gründe, die Menschheit mit ihren Gasöfen und Massengräbern und Tausenden Raketen mit Atomsprengköpfen, mit aller Lieblosigkeit und Hartherzigkeit noch heute zum Teufel zu jagen, aber er tut es nicht! Er hält sich zurück, er legt sich eine Grenze auf. Eine Sintflut, wie auch immer,  wird es in Zukunft nicht mehr geben!

Im Neuen Testament noch mehr: Mit Jesus aus Nazareth begibt sich Gott unmittelbar hinein in die Sünde, in die Angst, das Leid – um so Not und Tod zu besiegen.

Das ist die Antwort, seine Antwort auf die großen Fragen um Zukunft und Leben.

In dieser Noah-Flutgeschichte möchte Gott schließlich, und das ist die Antwort auf die Frage, was wir denn nun tun können, -  mit uns, so wie mit Noah, in einer neuen, in einer engen, liebevollen Beziehung leben. Er möchte mit uns einen Friedensbund!

Darum ergeht Gnade vor Recht! Darum keine zweite Sintflut! Darum bleiben das Leben und die Erde beschützt und bewahrt!

Und darum macht es auch unsererseits Sinn, - in diesem Bündnis – alles für die Gerechtigkeit, für Frieden und die  Rettung der Schöpfung zu  tun, auch wenn wir mitunter das Gefühl haben: es bringt doch nichts!

Noah tut, was Gott ihm aufträgt, auch gegen den Augenschein! – unbegreiflich für die, die da nur zuschaun und sich halb tot lachen!! Doch eben dadurch werden Menschen und Tieren gerettet.

Und so macht es Sinn, das  Drama der Sintflut, mit der Arche, der Taube, dem Regenbogen immer wieder zu erzählen: Gott will – und tut alles dafür, dass wir ein Bein auf  den Boden bekommen, dass wir auf einen grünen Zweig kommen, auf den grünen Zweig des Friedens, den die Taube im Schnabel hielt.

 

 

 

 

1.Mose 8,1ff

Da dachte Gott an Noah und an all die Tiere, die bei ihm in der Arche waren. Er ließ einen Wind über die Erde wehen, so dass das Wasser fiel. 2 Er ließ die Quellen der Tiefe versiegen und schloss die Schleusen des Himmels, so dass es zu regnen aufhörte.

3 So fiel das Wasser nach hundertfünfzig Tagen.

4 Am 17. Tag des 7. Monats setzte die Arche auf einem Gipfel des Araratgebirges auf.

5 Das Wasser fiel ständig weiter, bis am 1.Tag des 10.Monats die Berggipfel sichtbar wurden.

6 Nach vierzig Tagen öffnete Noah die Dachluke, die er gemacht hatte,

7 und ließ einen Raben hinaus. Der flog so lange hin und her, bis die Erde trocken war.

8 Noah ließ auch eine Taube fliegen, um zu erfahren, ob das Wasser von der Erde abgeflossen war.

9 Sie fand aber keine Stelle, wo sie sich niederlassen konnte; denn die ganze Erde war noch von Wasser bedeckt. Deshalb kehrte sie zur Arche zurück. Noah streckte die Hand aus und holte sie wieder herein.

10 Er wartete noch einmal sieben Tage, dann ließ er die Taube zum zweiten Mal fliegen.

11 Sie kam gegen Abend zurück und hielt einen frischen Ölbaumzweig im Schnabel. Da wusste Noah, dass das Wasser abgeflossen war.

12 Er wartete noch einmal sieben Tage, dann ließ er die Taube zum dritten Mal fliegen. Diesmal kehrte sie nicht mehr zurück.

13 Am ersten Tag des Jahres, in dem Noah sechshundertundein Jahr alt wurde, hatte sich das Wasser verlaufen. Noah öffnete das Dach und hielt Ausschau. Da sah er, dass auf der Erde kein Wasser mehr stand.

14 Am 27. Tag des 2. Monats war die Erde schließlich ganz trocken.

15 Da sagte Gott zu Noah:

16 »Verlass die Arche mit deiner Frau, deinen Söhnen und deinen Schwiegertöchtern!

17 Lass auch alle Tiere hinaus, die in der Arche sind, die Vögel, die großen Landtiere und alles, was am Boden kriecht. Es soll wieder von ihnen wimmeln auf der Erde; sie sollen fruchtbar sein und sich vermehren auf der Erde.«

18 Da ging Noah mit seiner Familie aus der Arche,

 und auch die Tiere kamen heraus, alle die verschiedenen Arten.

20 Noah baute einen Opferaltar für den HERRN. Dann nahm er welche von allen reinen Tieren und allen reinen Vögeln und opferte sie darauf als Brandopfer für den HERRN.

21 Der HERR roch den besänftigenden Duft des Opfers und sagte zu sich selbst: »Ich will die Erde nicht noch einmal bestrafen, nur weil die Menschen so schlecht sind! Alles, was aus ihrem Herzen kommt, ihr ganzes Denken und Planen, ist nun einmal böse von Jugend auf. Ich will nicht mehr alles Leben auf der Erde vernichten, wie ich es getan habe. Von jetzt an gilt, solange die Erde besteht:

Nie werden aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.«

 

 

Gebet

Lasst uns beten zu Gott,

der uns im Schicksal des Noah und noch viel mehr in Jesus Christus seine Liebe deutlich gemacht hat.

Für alle, die das Warten aufgegeben und sich in einem unveränderlichen Alltag eingerichtet haben, dass sie sich neu auf den Weg machen, um die Spuren deiner Gegenwart zu suchen.

Für alle, die enttäuscht und resigniert sind, weil ihr Eintreten für eine bessere Welt scheinbar ohne Wirkung bleibt. Für die Menschen, die unsere Umwelt, Pflanzen und Tiere, schützen und bewahren wollen, die für Frieden und Gerechtigkeit, für Gewaltfreiheit und Versöhnung eintreten, dass sie den Glauben an deine Verheißung des Friedens und an deine Zusage des Segens nicht verlieren.

Und wir beten für uns, weil wir mitunter hoffnungslos, müde und enttäuscht sind. Stärke uns und mach uns bereit, jeden Tag hier neu zu beginnen, und gleichzeitig zu warten auf den neuen Himmel und die neue Erde, die du verheißen hast. Ermutige uns mitzuhelfen, dass Zeichen deiner Nähe und Liebe in der Welt sichtbar werden - so wahr du uns nicht aufgibst.

Amen.