Apg 16,7    Lydia  -  Der Funke springt über             3.2.2002 

 

Apostelgeschichte 16, 7-15  

 

7 Als sie, westwärts ziehend, an die Grenze von Mysien kamen, wollten sie von dort in das nördlich gelegene Bithynien weiterziehen. Aber auch das ließ der Geist, durch den Jesus sie leitete, nicht zu. 8 So zogen sie an Mysien vorbei und gingen ans Meer hinunter nach Troas.

9 Dort in Troas hatte Paulus in der Nacht eine Vision: Er sah einen Mann aus Mazedonien vor sich stehen, der bat ihn: »Komm zu uns herüber nach Mazedonien und hilf uns!«

10 Darauf suchten wir sofort nach einem Schiff, das uns nach Mazedonien mitnehmen konnte. Denn wir waren sicher, dass Gott uns gerufen hatte, den Menschen dort die Gute Nachricht zu bringen. 11 Wir fuhren von Troas auf dem kürzesten Weg zur Insel Samothrake, und am zweiten Tag erreichten wir Neapolis. 12 Von dort gingen wir landeinwärts nach Philippi, einer Stadt im ersten Bezirk Mazedoniens, einer Ansiedlung von römischen Bürgern. Wir hielten uns einige Tage dort auf  13 und warteten auf den Sabbat.

Am Sabbat gingen wir vor das Tor an den Fluss. Wir vermuteten dort eine jüdische Gebetsstätte und fanden sie auch. Wir setzten uns und sprachen zu den Frauen, die zusammengekommen waren.

14 Auch eine Frau namens Lydia war darunter; sie stammte aus Thyatira und handelte mit Purpurstoffen. Sie hielt sich zur jüdischen Gemeinde. Der Herr öffnete ihr das Herz, so dass sie begierig aufnahm, was Paulus sagte. 15 Sie ließ sich mit ihrer ganzen Hausgemeinschaft, ihren Angehörigen und Dienstleuten, taufen.

Darauf lud sie uns ein und sagte: »Wenn ihr überzeugt seid, dass ich treu zum Herrn stehe, dann kommt in

mein Haus und nehmt dort Quartier!« Sie drängte uns, die Einladung anzunehmen. ...

 

 

Sie wollten von dort in das nördlich gelegene Bithynien weiterziehen. Aber auch das ließ der Geist, durch den Jesus sie leitete, nicht zu. So zogen sie an Mysien vorbei ... Fast wie ferngelenkt, so scheint es, zieht Paulus mit Timotheus, den er gerade erst in Lystra als Mitarbeiter gewonnen hatte, seinen Weg.

Eigentlich wollte Paulus die Gemeinde besuchen, die er bei seiner ersten Missionsreise, die lag auf dem Gebiet der heutigen Türkei,  begründet hatte. Doch werden seine Reisepläne mehrfach verändert.

Sie wollten von dort nach dort entlang, aber... Immer wieder lese ich das so. ...der Geist, durch den Jesus sie leitete, ließ das nicht zu.

Hat Gott hier einen Plan? Hat Gott mit diesen beiden Leuten, weit gereist, müde und abgekämpft, eine bestimmte Absicht, ein Ziel? Offenbar ja.

Es gibt Augenblicke, wo es überaus wichtig ist, nach Gott zu fragen, nach dem, was Gott mit uns vor hat. Wir sind ja in der Regel schnell dabei, dass wir festlegen: Da geht´s entlang! Den besuchen. Ein Termin nach dem anderen. Da oder da Urlaub machen. Sich in den oder die verlieben.

Aber unser Planen und unser Organisieren allein – macht´s eben nicht.

Wir sind ja schnell dabei: Das und das ist zu tun in unseren Kirchgemeinden! Martinsfest und Kinderfasching. Aufräumaktion. Bibelwoche. Küsterdienst. Besuchsdienst. Kirchgemeindebriefe. 750-Jahrfeier Mönchgut. Großaktion Kirchentag in Neubrandenburg in diesem Jahr! Pro Christ 2003.

Und richtig wohl fühlen wir uns, fühle ich mich, wenn das Ganze richtig generalstabsmäßig vorbereitet wird.

Kann eine gute Strategie beim Gemeindeaufbau nützlich sein? Ich denke schon. Aber unser Planen und unser Organisieren allein – macht´s eben nicht. Was will Gott eigentlich? Wohin will der Geist Jesu uns leiten? Vielleicht ja ganz woanders hin, als wir so dachten??

So zogen sie an Mysien vorbei und gingen ans Meer hinunter nach Troas.

Die ausgebauten Straßen führen den Paulus und seinen Begleiter im Norden (an der Küste entlang) und im Süden (über Pergamon) um Mysien herum  - auf ein Ziel zu. Ein Ziel? Welches Ziel?  Was hat Gott mit dieser handvoll von Leuten vor?

9 Dort in Troas hatte Paulus in der Nacht eine Vision: Er sah einen Mann aus Mazedonien vor sich stehen, der bat ihn: »Komm zu uns herüber nach Mazedonien und hilf uns!«

10 Darauf suchten wir sofort nach einem Schiff, das uns nach Mazedonien mitnehmen konnte. Denn wir waren sicher, dass Gott uns gerufen hatte, den Menschen dort die Gute Nachricht* zu bringen.

Da geht es also lang.

Wieder, wie schon während der Flucht der Maria und des Josef nach Ägypten, Sie erinnern sich, redet Gott hier durch einen Traum, eine Vision. Das ist eine unter vielen Möglichkeiten, wie Gott uns seine Absicht bekannt machen kann.

»Komm zu uns herüber nach Mazedonien und hilf uns!« Dahin also geht die Reise:

Nach Mazedonien, das ist eine Provinz von Griechenland - also Europa!! Der christliche Glaube soll wie ein Funke auf einen neuen Kontinent, Europa überspringen...

So überquert der Apostel mit seinem Begleiter im Schiff das Ägäische Meer – er ist unterwegs auf seiner 2.Missionsreise, wir befinden uns etwa im Jahre 49 nach Christus -  und erreicht die Provinzhauptstadt Philippi.

Und was sucht er dort zuerst? Eine Synagoge. Findet er aber nicht. Dafür wird er unten am Fluss auf eine Frauengruppe aufmerksam, die um eine Frau, die Lydia, eine Purpurhändlerin versammelt ist.

Purpurhändlerin, das heißt: Lydia lebt von der Mode. Sie, die aus Thyatira stammt, so genau hat Lukas, der Schreiber diese Frau vor Augen, führt, so stelle ich´s mir vor, einen Stand oder gar ein Geschäft in Philippi. 

Unter Kennern gilt sie als erste Adresse. Bei ihr ist immer das Beste angesagt – und das Beste, ist PURPUR. Ein Stoff, der im Trend liegt, der die Herzen der römischen Schickeria höher schlagen lässt, der Träume wahr werden lässt.

Ein fast violett schimmernder Farbstoff, der – und das war makaber genug – aus dem Saft einer zerpressten Schnecke gewonnnen wurde...

Aber wen kümmert das? Für Geld ist hier  in Philippi, in einer  Stadt, die seit 200 Jahren von den Römern besetzt ist, aber nun  durch gewisse Steuerbefreiungen ein kleines Wirtschaftswunder erlebt, alles zu haben, fast alles.

Und die Frauen der römischen Offiziere und andere wollen eben nur mit den besten  Sachen gesehen werden, beim Shopping, im Stadion  bei den Spielen, oder sonst wo.

Das, was die Lydia anbietet, kommt an. Sie hat Erfolg mit ihren Purpurstoffen. Sie hat, so stell ich´s mir vor, allen Grund, glücklich zu sein. Ist sie glücklich?

Zufrieden schon. Sie hat eine halbwegs sichere Existenz. Sie steht ihre Frau. Aber zufrieden -  ist noch längst nicht glücklich!? Ich denke mir: Sie ist auf der Suche nach – mehr.

Lydia, so lese ich, hielt sich darum zur jüdischen Gemeinde, oder, genauer übersetzt: Sie war eine Gottesfürchtige.Einmal in der Woche, am Sabbat,  macht sie ihren Laden dicht und geht an den Fluss, in die Sonne – um auszuspannen, um zu sich selber zu finden, und - um sich mit anderen auszutauschen:

Andere Frauen kommen auch dorthin, sie reden miteinander, und sie beten, denn, so schreibt es Lukas, ihr Treffpunkt ist eine jüdische Gebetsstätte.

Und da hinein platzen nun der Paulus und Timotheus: Wir setzten uns und sprachen zu den Frauen, die zusammengekommen waren.  Ich hätte mich doch erst mal im Hintergrund gehalten, hätte den Frauen zugehört, zu verstehen versucht. Offenbar nimmt sich Paulus gleich das Wort - und wird gehört. Sie hören ihm zu, diese Frauen. Das finde ich ziemlich erstaunlich. Kein Befremden, keine Verständigungsprobleme. Zumindest erzählt uns Lukas, der Schreiber der Apostelgeschichte, davon nichts.

Der Herr öffnete ihr das Herz, so dass sie begierig aufnahm, was Paulus sagte.  Wie macht man das, christlichen Glauben weiterzusagen – und damit praktisch eine christliche Gemeinde zu gründen?

Ich denke mir: Die Frauen dort werden ihre Fragen gehabt haben. Und Paulus wird versucht haben, darauf zu antworten. Aber nicht so aalglatt und perfekt:

Er wird von seinem eigenen Leben erzählt haben, in dem ja wahrhaftig längst nicht alles glatt und geradlinig lief, das durch die  Begegnung mit Jesus Christus ja erst völlig umgekrempelt wurde.

Darum wird er schließlich von Jesus selbst erzählt haben, von seiner Geburt in Armut, von seinen Gleichnissen und Wundern, seinen Begegnungen auch mit Frauen, und natürlich von seiner Verspottung und Folterung imPurpurmantel!Wie muss das in den Ohren der Lydia geklungen haben, sie eine Purpurhändlerin!

Aber nicht genug: Als Jesus am Kreuz hängt und in die Nacht hinaus schreit, da zerreißt der Purpurvorhang im Tempel in zwei Teile. Und das ist das Zeichen dafür, so Paulus, dass zwischen Gott und uns Menschen nun wirklich nichts Trennendes mehr steht.

Was Paulus im Einzelnen da sprach, zu den Frauen am Fluss  – wissen wir nicht. Aber was wir wissen - dass er den Juden ein Jude, den Griechen ein Grieche war. Und so wird es ihm gelungen sein, sich in die Gedanken der Frauen da, in ihre Sehnsüchte, Hoffnungen hineinzudenken. Die Lydia nimmt die Worte des Paulus auf. Sie versteht, sie glaubt. Und wird getauft: 15 Sie ließ sich mit ihrer ganzen Hausgemeinschaft, ihren Angehörigen und Dienstleuten, taufen. Die Gute Nachricht von Jesus  hat ihr Leben radikal verändert.

Man kann sich die Haare stylen lassen wie Madonna oder geschminkt sein wie Nina Hagen – und hinter der Maske total ausgepumpt und fertig sein. Man kann sich ständig auf dem Laufenden halten, up to day sein, bei Günter Jauch ´ne Million gewinnen, alles haben – allein der Glaube macht dein Leben neu! Sie ließ sich mit ihrer ganzen Hausgemeinschaft...taufen.

Und die Konsequenz: Die Lydia öffnet ihr Haus für Paulus und Timotheus. Gastfreundschaft. Tischgemeinschaft.Die Freundlichkeit, die Liebe von Gott, die man selbst erfahren hat, möchte man doch gerne weitergeben! Und damit wird hier, wenn sie so wollen, eine Kirchgemeinde geboren! Noch mehr:

Irgendwo in einer Modehandlung, womöglich an einem Küchentisch, schlägt die Geburtsstunde der Kirche für Europa!Und jeder Altar, jeder Tisch in unseren Kirchen und Gemeinderäumen heute, jedes Gespräch zwischen Tür und Angel,in dem es um „Gott und die Welt“ geht,  ist eine leise Erinnerung an diese frühe Zeit.

Kirche, ein offenes Haus, ein „Gasthaus“, in dem Menschen miteinander essen und trinken, in dem Menschen einander zuhören, Kirche als ein Haus, in dem Menschen sich an Jesus Christus halten: Was brauchen wir anderes als dies?

Wenn wir uns nur von Gott und Jesus  leiten lassen, wenn wir das Gespräch mit anderen nicht scheuen - und uns zu erkennen geben mit dem, was uns wichtig ist im Glauben, dann kann Gott Menschenherzen erreichen. Dann springt der Funke über – und zwar so, wie wir es nicht für möglich hielten.

 

 

 

Lied der Lydia – Paulus Oratorium

Ich habe den Duft der Rosen geliebt, ich liebte das rauschende Meer. Ich habe meine Trümpfe ausgespielt und habe das Leben geliebt. Ich habe nur an mich selbst gedacht und habe die Zeit wie im Rausch verbracht und genommen, was das Leben gibt. Ich habe gesucht, du hast mich gefunden und hast mir mein Herz aufgetan. Ich habe erkannt, dass mein Leben ein Trug war... Durch deine Liebe fing mein Leben erst an. Dein Wort macht mich reicher als alles Gold..... Mein Herz ist nun nicht mehr leer.

 

 

Gebet

 

Herr, unser Gott, wir nutzen das Leben aus, kosten die Zeit aus, versuchen uns selber zu verwirklichen, gehen unsere Wege nach unserem Geschmack. Und doch  ahnen wir, dass das so nicht alles sein kann, dass ja doch  viel mehr drin ist. Während wir noch suchen, hast du uns längst gefunden. Du tust unsere Herzen auf - und wir erkennen, dass so vieles Trug war, Fassade. Erkennen den Sinn in allem, erkennen deine Liebe, o Gott, die uns nahe gekommen ist durch Jesus aus Nazareth, die uns nahe kommt mit jedem neuen Morgen, mit den Menschen, die unseren Weg kreuzen, mit all den Wundern, die jeden Tag passieren. Mit deinem Wort machst du uns reicher als alles Gold. Lydia hat das erlebt, dass durch deine Liebe unser Leben erst richtig beginnt.....