Josua 1,1  Herrschaftswechsel  -  Sei mutig und entschlossen        Gottesdienst und Konfirmation    11.4.2004

 

Josua 1,1-9

1 Nachdem Mose, der Bevollmächtigte des HERRN, gestorben war, sagte der HERR zu Josua, …, dem Helfer Moses: 2 »Mein Diener Mose ist tot. Nun mach dich auf und zieh mit dem ganzen Volk über den Jordan in das Land, das ich euch geben will!

… ich werde dir dein Leben lang zur Seite stehen, genauso wie ich Mose zur Seite gestanden habe. Niemals werde ich dir meine Hilfe entziehen, nie dich im Stich lassen.

7 Halte dich mutig und entschlossen an das, was mein Diener Mose gesagt hat! Befolge mein Gesetz, das er dir übergeben hat, und lass nicht das geringste davon außer acht; dann wird dir alles gelingen, was du unternimmst…

9 Ich , Gott, sage dir noch einmal: Sei mutig und entschlossen! Hab keine Angst, und lass dich durch nichts erschrecken; denn ich, der HERR, dein Gott, bin mit dir, wohin du auch gehst!«

 

Liebe Gemeinde, liebe Gäste, und heute vor allem: Liebe Lydia, Pierre, Bertram und Paul!

Nun sitzt Ihr also hier vorn wie bei ARD und ZDF in der ersten Reihe und erlebt eure Konfirmation Live. Dieser Ostersonntag ist für euch nun etwas ganz Besonderes. Dieser Tag kommt für euch so nie wieder!!

Der Tag Eurer Konfirmation  - viele Gedanken bewegen uns, uns  Eltern, Großeltern, Paten, Freunde, Sie alle als unsere Gäste.

Es ist ja noch gar nicht so lange her, na gut, was sind schon 13-14 Jahre, da habt Ihr zum ersten Mal geschrien, und wenn Ihr nicht geschrien habt, dann habt Ihr eins hinten drauf gekriegt, -  und dann wart Ihr da : Ich konnte bei Deiner Geburt mit dabei sein, Bertram – so was vergisst man nicht. Und ich weiß noch, wie froh und glücklich Mutti war, dass das geschafft war, und du gesund warst…

H. und C., Ch. und C., Frau …, Sie als Eltern werden erzählen können, Sie haben Ihre Erinnerungen.

Und damit ging Euer Weg ins Leben los, ihr Konfirmanden. Ihr habt das Laufen gelernt, zunächst wie „Schmittchen Schleicher mit den elastischen Beinen“, habt im Laufgitter Runden gedreht, habt euch am Tischbein hochgezogen. Habt das Sprechen gelernt, habt also angefangen, immer mehr von Eurer Welt zu erkunden. Da war das Kinderzimmer und die Küche, kochendes Wasser,  der Sandkasten, die gefährliche Treppe nach unten…

Und immer haben wir gehofft und auch dafür gebetet, dass alles gut wird. Das Ihr Euren Weg findet.

Die Taufe: für Dich, Lydia, in fünf Tagen genau vor vierzehn Jahren, hier in dieser Kirche. Auch Bertram hier. Paul eine ganze Weile später, gemeinsam mit deinem Bruder Karl, am…

Und dazwischen all das, was wir ja nicht vergessen: Das erste Weihnachtsfest, leuchtende Kinderaugen. Urlaub, und Hausbau. Einschulung, das Foto mit der Schultüte, die Baumhöhle, die Scheidung der Eltern, der schwere Unfall, die Zahnspange, der Wechsel zum Gymnasium…. (In Euren Fotoalben, Pierre, konnte ich ja nun nicht blättern.)

Ein ganzes Stück Zeit ist seitdem vergangen. Und ihr seid immer weitere Wege gegangen. Zum Freund oder zur Freundin, und auch zur Christenlehre, zur Konfirmandenstunde, trotz der stressigen Schulstunden zuvor.

Was aber geben wir Euch nun mit für den Weg? Was packen wir rein wie in eine Tasche? Was sind unsere Wünsche für Euren Weg, Ihr Eltern, Großeltern, Paten, Freunde, liebe Gemeinde? Alles Gute, natürlich, das wünschen wir euch. Gesundheit. Sicherheit….

Was geben wir Euch mit, wenn Ihr nun Euer Leben, einen neuen Lebensabschnitt vor Euch habt?

Tolle Sprüche, großartige Vorsätze höre ich da: Ich will bei der Wahrheit bleiben. Ich will mich keiner Ungerechtigkeit beugen. Ich will frei sein von Furcht. Ich will keine Gewalt anwenden. Ich will guten Willens sein gegen jedermann.          Das sagte der große Mahatma Gandhi

Ich lese da einen „Brief an mein noch nicht geborenes Kind“, den ein unbekannter jugoslawischer Soldat schrieb:

Mein Kind...  Bewahr deinem Herzen den Hunger nach neuer Erkenntnis, bewahr Dir den Hass gegen jegliche Lüge, und bewahr dir die Macht, das Schlechte zu verabscheuen. Ich weiß nun, dass ich sterben muss, und du musst geboren werden, um auf dem Trümmerhaufen meiner Irrtümer zu stehen. Vergib mir. Ich schäme mich, Dir eine unordentliche und unbequeme Welt zu hinterlassen. Aber es muss sein. Ich küsse in Gedanken Deine Stirn, um Dich zum letzten Mal zu segnen. Gute Nacht, mein Kind – guten Morgen und ein lichtes Erwachen.

 

Viel Glück und viel Segen auf all deinen Wegen ein fröhliches Herze, das schenke dir Gott – haben wir für dich, Bertram, zu beinahe jedem Geburtstag gesungen…

Was ist das, Glück, und Segen für Euch?? Die Bibel meint mit Segen:  Glück, Frieden, Wohlergehen, alles Gute von Gott für Euch!!? Manche sagen zur Konfirmation ja auch Einsegnung. ?

 

Ich möchte euch von einem jungen Mann aus der Bibel erzählen:

Er hieß Josua  und gehörte zu den Israeliten, die jahrelang durch die Wüste wanderten auf dem Weg in ein neues Land. Kurz vor dem Ziel stirbt ihr Anführer, der legendäre Mose. Und sein Nachfolger wird - dieser Josua. Er führt das Volk bis an den Grenzfluss Jordan. Von dort aus kann man, so erzählt es die Bibel,  bereits in das neue Land schauen. Weideplätze liegen vor ihnen, Wasserstellen, ausreichende Nahrung, aber auch befestigte Städte und eine Bevölkerung, die die Fremden ganz sicher nichtfreundlich begrüßen wird.

Wie wird alles weitergehen? Wird es Krieg geben? Haben die Israeliten eine Chance in dem neuen Land? Die Verantwortung trägt Josua. Hinter der Autorität des Mose kann er sich nun nicht mehr verstecken.

Da hört er die Stimme GOTTES in seinem Herzen:

Josua 1,9: 9 Siehe, ich habe dir geboten, dass du getrost und unverzagt seist. Lass dir nicht grauen und entsetze dich nicht; denn der HERR, dein Gott, ist mit dir in allem, was du tun wirst.

Das sind starke Worte, Trostworte. Mutmachworte. Damit konnte der Josua offenbar leben.!!?

Vor euch Konfirmanden liegen hoffentlich nicht Krieg und Kampf, auch wenn die Zukunftsprognosen für unsere Erde, und die Natur, eher düster ausfallen..

 

Manchmal frage ich mich, so formulierte es mal ein Konfirmand, ob es für diese Erde überhaupt eine Zukunft gibt. Manches ist so schrecklich. Ich denke an die Klimakatastrophe, an das Ozonloch, an die Müllberge, an das Aussterben vieler Tierarten… Die Experten sagen, dass man schnell etwas unternehmen müsste. Aber wer unternimmt etwas?

Vor euch liegt, wie bei Josua, ein Weg, von dem ihr allerdings noch nicht wisst, wohin er euch führen wird.

Wäre das ein Leitsatz auch für uns, für Euch, Ihr  Konfirmanden? Übersetzung die Gute Nachricht:

9 Ich sage dir noch einmal: Sei mutig und entschlossen! Hab keine Angst, und lass dich durch nichts erschrecken; denn ich, der HERR, dein Gott, bin bei dir, wohin du auch gehst!« ?

Denn wir brauchen ja Zukunft -  wie die Luft zum Atmen. Wenn die Lebenserwartung von uns Älteren beivielleicht noch zehn, zwanzig oder vierzig Jahren liegt, so habt ihr doch wahrscheinlich ein ganzesLeben vor euch.

Lasst euch eure Fragen nicht ausreden! Fragt nicht nur: Was gibt´s heute im Fernsehen? Welches sind die geilsten PC-Spiele ?   Nämlich…Paul..?  Das ist alles o.k., aber mitunter gilt auch:

Lasst euch nicht für dumm verkaufen! Glaubt nicht alles, was die Werbung uns von einem schönen, glücklichen Leben vorgaukelt, auf Kosten anderer, auf Kosten der Natur.. Dieses„ständig im Trend sein“ müssen, dieses immer  Stärker sein müssen als die anderen“ „Jugend im Kaufrausch,  Entzug führt zu körperlichen Beschwerden“, titelte die Ostsee-Zeitung 18.6.94):

Das ist doch wirklich Schrott!! Fassade!

Sagt auch mal Nein! Seid euch zu schade, immer nur den bequemen Lustweg zu gehen. Es ist euer Leben -  und ihr bekommt es so nur ein Mal!

Konfirmation heißt – Herrschaftswechsel!, so las ich es mal. Passt auf, dass nicht die und die Herren, Verführer, Stars über Euer Leben, über Euer Herz bestimmen. Haltet Euch an Jesus Christus. Er ist der Weg.

Hört auf seine Stimme, der die eigene Haut nicht auf Kosten anderer rettete. Der die Schwachen stärkte, die Kranken heilte. Der die Schuldigen und Ausgestoßenen suchte. Der den Rechtlosen Recht gab. Der es nicht nötig hatte, Schmiergelder anzunehmen. Der sein Leben drangab für seine Freunde.

Gegen den Mangel an Hoffnung, gegen Angst und Ohnmacht haben wir ein Gesicht – sein Gesicht, das Gesicht des Christus.  Konfirmation heißt Herrschaftswechsel.

Euren Weg müsst ihr nun selber gehen, auch in Sachen Glauben.

Eure Eltern hatten so ihr Vorstellungen, sie haben sich mit euch Mühe gegeben, denke ich mir: Gute-Nacht-Gebete. Jesusgeschichten. Und dann der kirchliche Unterricht. Glauben kann man nicht eintrichtern.

Ob ihr da dran bleibt? Vielleicht legt ihr ja nun erst mal eine Pause ein und macht in der nächsten Zeit einen Bogen um Kirche und Gott herum. Aber die Verschnaufpause muss ja nicht gleich bis zu eurer Beerdigung reichen.

Es gibt keinen Grund, den Glauben einfach abzulegen wie eine Erinnerung an die Kindheit, wie ein paar Schuhe, die zu eng geworden sind.  Der Glaube ist es wert, dass wir ihn weiter probieren, testen.

Es wird Krisen geben, Durststrecken, Umwege, Ungereimtheiten – auf eurem Weg. Ihr werdet manchmal müde, enttäuscht, kaputt sein. Dann wisst, da ist einer, der euch weiterhilft. Da ist der geheimnisvolle Hintergrund unseres Lebens.

Es geht nichts von selbst. Es braucht unsere Anstrengung. Es braucht unsere Hingabe, es braucht dasGespräch mit Gott.

„Kämpfe den guten Kampf des Glaubens!“ schreibt Paulus an eine Christengemeinde. Ihr seid doch „Gottes Kinder“.

Und so denken wir heute besonders an Euch, Ihr Konfirmanden, die Ihr noch eine weite Strecke und viel Zeit vor Euch habt:

Ich sage dir noch einmal: Sei mutig und entschlossen! Hab keine Angst, und lass dich durch nichts erschrecken; denn ich, der HERR, dein Gott, bin mit dir, wohin du auch gehst!«

 

 

 

Frage zur Konfirmation

Wir haben versucht, miteinander über den christlichen Glauben zu sprechen und nachzudenken. Das Leben liegt nun weit vor euch. Ich denke, es ist gut, auch mal einen Punkt zu machen und sich zu fragen, sich klar zu machen:

Wo stehe ich eigentlich? Was ist mir wichtig? Wofür lohnt es sich zu leben?

So frage ich euch nun:

Wollt ihr auf dem Weg des Glaubens weitergehen? Wollt ihr euch an Jesus Christus halten, der der Weg, die Wahrheit und das Leben ist? Wollt ihr im Vertrauen auf Gott Euer Leben führen, so sagt:

Ja mit Gottes Hilfe....

 

Gebet

Guter Gott, wir packen unser Leben nicht allein. Hilf, dass wir uns an deinem guten Wort orientieren.

Wir bitten dich für diese Jugendlichen. Steh ihnen bei auf ihrem Lebensweg. Bleibe nicht stumm, wenn sie Fragen und Zweifel haben.  Ermutige sie in ihrem Glauben, stifte sie an, in christlicher Liebe in ihrer Welt tätig zu sein, den Weg zu gehen, den die Mühe lohnt.

Schenk uns, schenk diesen jungen Leuten hier, dass sie ihren Weg finden, durch das Leben, immer der Wahrheit auf der Spur, mit dir.

 

 

Gebet

O Gott, Deine Gäste waren wir und bleiben wir.

Halte unsere Herzen offen, dass wir dir Raum geben in uns, dass wir einander Raum geben. Lass uns auf unseren Wegen deine Güte und Freundlichkeit spüren. Du Schöpfer des Lebens, Halleluja.

Gott der Liebe – wir bitten dich für unsere Konfirmanden und alle Jugendlichen, dass sie ihren Weg finden, dass sie ihre Fähigkeiten entwickeln können, dass sie in ihrem Leben Menschlichkeit erfahren und weitergeben,  dass sie unterscheiden zwischen gut und böse, dass sie im Glauben an dich stark werden.

Wir bitten dich für die Eltern, Paten, die Erwachsenen, die sie bisher begleitet haben, dass sie die Jugendlichen nicht allein lassen, dass sie ihre Fragen ernst nehmen und ihnen Freiräume geben, dass sie aber auch Grenzen ziehen können, wo es nötig ist, und dass sie dabei auf deine Kraft hoffen. Du Schöpfer des Lebens, Halleluja.

Wir bitten dich für uns, deine Gemeinde, dass wir Freundlichkeit ausstrahlen, dass wir als eine Gemeinde ganz unterschiedlicher Menschen einander akzeptieren trotz der Unterschiede, die es natürlich auch unter uns gibt, dass wir neue Ideen und Anstöße aufnehmen und voller Hoffnung unseren Weg gehen als eine Gemeinde, die aus deinem Wort lebt. 

Wir bitten dich um Frieden angesichts der Konfliktherde dieser Erde, um Verantwortung, wenn unsere Natur bedroht ist. Wehre der Verachtung, der Gewalt, der Gleichgültigkeit und Fahrlässigkeit, wo auch immer. Wir erwarten deine neue Welt.

Amen.