11. Petr 2,21 b   Dem großen Hirten folgen  -  Er erquickt meine Seele         Gottesdienst  2004,  30.4.2006

 

1.Petrusbrief 2,21b-25     

21b  Ihr wisst doch: Christus hat für euch gelitten und euch ein Beispiel gegeben, damit ihr seinen Spuren folgt.

Ihr wisst: »Er hat kein Unrecht getan; nie ist ein unwahres Wort aus seinem Mund gekommen.« Wenn er beleidigt wurde, gab er es nicht zurück. Wenn er leiden musste, drohte er nicht mit Vergeltung, sondern überließ es Gott, ihm zum Recht zu verhelfen. ...

25 Ihr wart wie Schafe, die sich verlaufen haben; jetzt aber seid ihr auf den rechten Weg zurückgekehrt und folgt dem Hirten, der euch leitet und schützt.

 

Ich habe es noch nicht vergessen, das Bild vom Guten Hirten. Einst hing es im Wohnzimmer meiner Eltern an der Wand: Der Hirte mit seinem Hund, und die Schafherde trottet artig hinterdrein.

Bis heute empfinde ich eine leise ironi¬sche Distanz gegenüber einem solchen  Bild vom »guten Hirten« und seinen »Schäfchen«. Denn so schön und so harmonisch, so romantisch  ist das Leben nicht.

Schon die Verfasser des 23. Psalms und des Petrusbriefes, aus dem ich vorhin las,  meinten eine solche Idylle mit Sicherheit nicht.

Sie sind uns fremd geworden, solche Bilder  – na gut, vor Jahren konnte man Schafherden noch über die Zickerschen Berge ziehen sehn, mittendrin der Hirte, und der Schäferhund drum herum, auf Pfiff die Herde zusammenhaltend.

Aber auch die Assoziationen zu einem solchen Bild stimmen heute nicht mehr: Würden Sie sich als Schaf bezeichnen, das willig, ferngelenkt, „lammfromm“ der Herde nachtrottet und allein auf die Stimme des Hirten hört? Was für eine Zumutung!

Jedoch - unsere Zumutungen bleiben an der Oberfläche, wenn wir uns  von ihnen allzu sehr beeindrucken lassen –und dadurch die eigentlichen Zumutungen nicht wahrnehmen, Zumutungen für unseren christlichen Glauben und ein christliches Leben.

Mit  dem Bild vom guten Hirten wird uns ein Gottesbild – und auch ein Jesus-Bild vor Augen gestellt, das für unser Leben eine enorme Bedeutung bekommen kann, wenn wir uns darauf einlassen.

Die Bibel präsentiert uns ja eine Fülle an Gottesbildern – obwohl das Alte Testament noch das Bilderverbot kennt, was meinte, dass wir uns kein Bild von Gott machen dürfen! Denn alle Bilder, die wir uns von Gott – und von Jesus machen, sind in sich begrenzt, und hinken – und umschreiben die Sache bestenfalls, um die es geht.

Licht: Ich bin das Licht für die Welt, sagt Jesus. Licht ist dein Kleid, Gott, betet der Dichter des 104.Psalms.

Der Weg: Ich bin der Weg, der zur Wahrheit und zum Leben führt, sagt Jesus.

Ich bin die Auferstehung und das Leben.

Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. So eng, wie Weinstock und Reben miteinander verbunden sind, so eng sind wir miteinander verbunden!

Ich bin... Ich bin der gute Hirte.   Es hat was, dieses Bild.

Bereits in der mesopotamischen wie in der griechischen Kunst findet sich das Bild des Hirten, der ein Lamm oder Kalb auf der Schulter trägt.

In der frühchristlichen Kunst ist das Bild des Guten Hirten sogar das am häufigsten anzutreffende Motiv, so in der Katakombenmalerei, auf Sarkophagreliefs, auf Goldgläsern und in Mosaiken.

Dass König David Hirte war, bevor er zum König berufen wurde, wird nicht zufällig genau so erzählt:  Der König soll auch Hirte sein!

Und schließlich hat sich das Motiv des Guten Hirten bis heute erhalten: Der gute Hirte heißt ein Altersheim in Dortmund. Der Gute Hirte heißt ein Brunnen in Stuttgart.

Der gute Hirte heißt eine Serie aus Star Treck, Janewav möchte drei Crewmitglieder in die Gruppe integrieren und nimmt sie mit auf eine Außenmission…

Oder: Sie haben vor Augen ein Relief in einer der Katakomben Roms: Christus als der Gute Hirte.

Was soll´s, dieses Bild?

Es ist, ich sag´s mal so, ein Motiv, das größtes Vertrauen meint. ER, Gott, ist es wert, dass wir ihm Vertrauen entgegenbringen. Er, Christus, lässt uns nicht im Stich. Er ist der gute Hirte! Ihm könnt ihr vertrauen. Ihm könnt ihr folgen. 

Selbst wenn du dein Leben verspielt, kaputt gemacht hast, wenn du dich verrannt hast, sucht er dich – und lässt dafür die anderen 99 Schafe zurück – und sucht dich, bis er dich findet ( Eine solche Beispielgeschichte erzählt Jesus – und er meint damit sich selbst, und meint damit GOTT.) 

Sie haben in der Hand eine zweite Abbildung:  Das eine verlorene Schaf ist gefunden, und nun wird ein Fest gefeiert.Psalm 23: Er führt seine Herde durch dunkle, gefährliche Schluchten zu den Wasserstellen. Und dort, wo es zum Äußer¬sten kommt, steht er mit seinem Leben für seine Tiere ein.

Ich las, dass in der rauen Landschaft Palästinas die Hirten eine Eisenkeule mit sich trugen, um ihre Herden gegen Raubtiere zu verteidigen.

1. Petrusbrief 21b:  Ihr wisst doch: Christus hat für euch gelitten und euch ein Beispiel gegeben, damit ihr seinen Spuren folgt.

Ja, er hat es sich nicht leicht gemacht. Ihr wisst: Da ging es hart zur Sache. Er, der Wanderprediger aus Galiläa, lebte seinen Glauben, seine Überzeugung mit allen Konsequenzen, bis zuletzt.

Vers 24: ... Wenn er beleidigt wurde, gab er es nicht zurück. Wenn er leiden musste, drohte er nicht mit Vergeltung, sondern überließ es Gott, ihm zum Recht zu verhelfen. ...

Das war sein Stil. Immer ging es ihm um die Menschen. Jesus wusste sich gesandt zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel. (Matthäus 15,24) . Er holte die Menschen heraus aus den Löchern der Angst. Und stellte ihnen Gott vor als einen guten Vater, als einen liebenden Gott   - und gab zuletzt sein Leben dran für seine Schafe (Johannes-Ev. 10,11)

Ja, warum?? ...damit ihr seinen Spuren folgt. Petrusbrief 21b: 

Das griechische Wort an dieser Stelle kann auch "Vorschrift" oder "Muster" bedeuten. ...damit ihr seinem Muster folgt.

Der Verfasser des Petrusbriefes stellt eine ganz entscheidende Frage, eine heiße Frage, wenn wir so wollen, an der alles hängt, unser Leben, unser Glück, unsere Zukunft:

Auf wen verlässt du dich? Wer ist für dich vertrauenswürdig?

Wen hast du vor Augen, wer ist dir Maßstab, Leitbild, Beispiel, Vorbild für dein Leben?? Eine überaus spannende, eine alles entscheidende Frage.

Der Petrusbrief gibt die Antwort auch prompt und unmissverständlich: Für uns gibt es nur einen: Jesus Christus!! Ihm kannst du vertrauen! Ihm kannst du folgen! Er ist der große Hirte.

Ja, auf wen verlässt du dich? Wem glaubst du? Haltet euch an IHN, koste es, was es wolle!!

Dem großen Hirten nachfolgen, bedeutet für den Briefeschreiber  nun alles andere als ein willenloses Hinterher trotten. Oft genug wurden Menschen am Gängelband geführt, als "Stimmvieh" benutzt, missbraucht, in den Krieg gejagt. Wer ausscheren wollte, wurde zur Räson gebracht.

Und dann die 40 Jahre nach dem Motto: „Die Partei, die Partei, die Partei hat immer recht!“  Das Denken wurde vorgegeben, die Losungen zum ersten Mai waren genehmigungspflichtig, waren in der Ostsee-Zeitung abgedruckt und vorgeschrieben.

Heute sind es andere, die meinen, sie seien die Größten und sie allein hätten die Wahrheit für sich gepachtet, sie wüssten, wo es lang geht. Politiker, Ideologen, Gurus, Heiler, Stars und Sternchen, Konsumfetischisten, die unser Leben beanspruchen, unsere Herzen, unsere Gefühle. Die mehr scheinen als sind, und es zählen nur noch Einschaltquoten und das Geld. Idole und Ideale, die aber bald verglühn, und es war, als wär´n sie nie gewesen......        

Der große Hirte JESUS, unter¬scheidet sich ganz klar und eindeutig von den sogenannten Führern, den Verführern, die die erste Stelle in unseren Herzen und Träumen beanspruchen, die oft genug unser Vertrauen missbrauchen.  Also, auf wen verlässt du dich??

Schafe, die dem Hirten folgen,  sind nicht gerade Tiere, mit denen wir uns gerne identifizieren.

Das »schlaue Füchslein« Schwäbisch Hall«, der majestäti¬sche Hubertus- Hirsch von »Jägermeister«, der Esso- Krafttiger - damit kann man Werbung machen. Der Adler, der Löwe im Wappen der Fürsten! Aber ein Hirte und seine Schafe?

Wenn du dich aber doch für IHN, für Gott, für Jesus entscheidest, und für eine solche Entscheidung steht ja  die Taufe, dann wird sich dein Leben grundlegend verändern:

Vers 25: Ihr wart wie Schafe, die sich verlaufen haben; jetzt aber seid ihr auf den rechten Weg zurückgekehrt und folgt dem Hirten, der euch leitet und schützt.

Jetzt sieht alles ganz anders aus.

"Es ist genug, dass ihr die vergangene Zeit zugebracht habt nach heidnischem Willen, als ihr ein Leben führtet in Ausschweifung, Begierden, Trunkenheit, Fresserei, Sauferei und gräulichem Götzendienst", schreibt der Verfasser des 1. Petrusbriefes 4, 3 .

Und dann sagt er diesen Christengemeinden, was das Vorbild Jesus für sie bedeuten kann:

"Seid allesamt gleich gesinnt, mitleidig, brüderlich (geschwisterlich), barmherzig, demütig. Vergeltet nicht Böses mit Bösem oder Scheltwort mit Scheltwort, sondern segnet vielmehr, weil ihr dazu berufen seid, dass ihr den Segen ererbt". (1. Petrus 3, 8 + 9)

Und Segen meint ja seit uralten Zeiten Glück und Gelingen, Frieden, erfülltes ewiges Leben, von Gott für dich.

Seit 2000 Jahren sind Menschen seinen Spuren gefolgt, haben IHN ausprobiert, haben ihn getestet, haben ihn, Jesus aus Nazareth, als Vorbild, als Muster genommen – und haben erlebt, dass sein Wort uns hilft, den Grundfragen unseres Daseins nachgehen – nach Gott zu fragen, Gott zu erfahren - und unser Leben verantwortlich zu gestalten, und zwar ein Leben, das Zukunft hat, über den Tod hinaus.

Er führt mich tatsächlich zum frischen Wasser. Er erquickt meine Seele. Ps.23

Wem also glaubst du?  Wer ist dein Vertrauen wert?  Auf wen verlässt du dich?   Das ist die Frage.

 

 

 

 

Gebet

Lasst uns beten für alle, denen das Leben sinnlos und leer scheint, für alle, die vereinzelt und einsam leben, dass sie nicht mutlos und verzagt werden, dass ihr Glaube und ihr Vertrauen wachsen. Für unsere Kirche und alle, die Verantwortung tragen, dass sie Glauben und das Vertrauen nicht behindern, sondern mit Worten und ihrem Leben einladen zu dem Hirten, der doch Leben schenkt.

Für alle, die unter und Drohungen, Benachteiligung, unter Krieg und Vertreibung leiden, für die, deren Menschenwürde nicht geachtet wird, deren religiöse Überzeugung nicht geachtet wird, dass sie nicht die Hoffnung verlieren. Dass sie Hilfe erleben.

Für unsere Kinder und Jugendlichen, für uns selbst. Dass wir nicht blind den vielen Angeboten, den vielen lauten Stimmen folgen, die auf uns eindringen, sondern dass unsere Ohren sensibel, empfindsam sind für ihn, Christus, der doch der Weg zur Wahrheit und zum Leben ist.

Herr, du rufst uns. Wir hören deine Stimme. Wir danken dir. Wir vertrauen dir. Bleibe bei uns und segne uns.