1.Joh 4,7:  Über die Rose  -  Weil Gott Liebe ist       Trauung.

 

1.Johannesbrief  4,7

Gott ist Liebe, und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.

  

Liebe Frau, lieber Herr…, liebes Hochzeitspaar!

Unser großer Evangelischer  Liederdichter Mathias Claudius, Sie kennen das Lied z.B.: Der Mond ist aufgegangen, schrieb einst in einem Brief an  seinen Sohn Andres:

Das Heiraten kommt mir vor wie´ne Zuckerbohne. Anfangs schmeckt´s süßlich. Aber wenn das Süße abgeleckt ist, kommt bei den meisten inwendig ´n Stück Rhabarber. Mit uns soll das nicht so sein. Wir wollen einander eine wohltuende Frucht sein.

Ja, anfangs schmeckt´s süßlich.

Es ist amüsant zu sehen, wie die Dichter aller Zeiten nach Worten suchten und auch heute suchen, wenn es um die Liebe geht:

Du bist wie eine Rose.

Am liebsten würden sie alle Sterne vom Himmel holen und sie der Angebeteten zu Füßen legen.

Sie erinnern sich, liebe …, lieber …, wie das war, im siebenten Himmel zu sein. Damals, als Sie einander begegneten:  …  Eine Rose wie diese kann ein guter Vergleich sein für die Liebe, von der Paulus schreibt. (Ich las vorhin aus seinem Brief). Und wenn ich diese Rose irgendeinem Menschen schenken würde, wäre sie ein deutlicheres Zeichen für meine Zuneigung und Liebe als wenn ich viele Worte machen würde.

Ich bewundere diese Rose. Ein Wunder ist sie für mich.

Sie wissen, wie das ist, wenn man sich in einer Partnerschaft aneinander freut, immer Neues entdeckt an dem anderen, seine Stimme, die Augen, Bewegungen, Begabungen….

Die erste Zeit war besonders schön. Und nach Jahren, Sie werden mir das bestätigen, ist der andere immer noch ein Stück geheimnisvoll, rätselhaft, ein Buch mit sieben Siegeln geblieben.

Das ärgert einen manchmal, aber das hat auch seinen Wert: Es wäre ja langweilig und Liebe tötend, wenn es nichts mehr an dem anderen zu entdecken gäbe.

Ich wünsche Ihnen miteinander so eine bestimmte Erwartungshaltung, dass Sie das Staunen aneinander, das Immer-noch-einmal-überrascht-sein nicht verlieren.

Wir wollen - auch nach Jahren - ich sag´s mit Mathias Claudius, wenn das äußerlich Süße abgeschleckt ist, einander eine wohltuende Frucht bleiben.

Ich versuche mir vorzustellen, was diese meine Rose brauchte, um das zu werden, was sie heute ist: Tage des Wachsens, des Reifens, des Aufblühens: Die Sonne wärmte sie. Regentropfen fielen ihr zu. Verschiedenste „Zufälle“ gab es. Wenn Sie sich beide erinnern:

Was für Augenblicke, was für Zufälle gab es, dass Sie sich damals kennen lernten… Sekunden, ein bestimmter Anlass  haben die Sache entschieden. Es hätte auch da alles ganz anders kommen können.

Und nun liegen schon wieder Jahre, eine ganze Wegstrecke hinter Ihnen. Und Ihre Geschichte soll ja weitergehen….

Und dann denken Sie ja vielleicht, aneinander gelehnt, in einem lichten Augenblick: Dass mein Mann, dass meine Frau es mit mir noch immer aushält, und das all die Jahre, ist mir absolut rätselhaft. Dass sie, dass er mich immer noch liebt, so wie ich bin, das ist eigentlich ein Wunder, ich habe es nicht verdient.

Christen glauben, dass wir uns die entscheidenden Dinge des Lebens nicht verdienen, sie uns nicht selbstverständlich zustehen, sie uns auch nicht schicksalhaft zufallen.

Sie fallen uns anders zu: Gott mischt da mit. Er beschenkt uns. Er zeigt uns seine Liebe. „Gott ist Liebe“, lese ich im 1. Johannesbrief. „Und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.

Ich habe die Vorstellung, dass diese letztlich göttliche Liebe eine sehr zarte Liebe ist, die wir ohne weiteres ablehnen oder zerstören können, nur, damit würden wir uns selbst kaputt machen. Und wo die Liebe auf der Strecke bleibt, ist sie auch mit Lack, Leder und Peitsche nicht mehr aufzupäppeln.

Die Blüten meiner Rose sind zart. Wie ein Hauch sind sie, wie ein Schmetterling. Liebe ist immer zart und zerbrechlich. Darum gehen sie miteinander behutsam um.

Eine jüdische Redeweise sagt: Lieben heißt wissen, was dem anderen weh tut. Wissen, wo der andere verletzlich ist, schwach. Und gerade da ihm beistehen. Wir dürfen voreinander schwach sein. Wir müssen nicht den starken Max markieren.

Damit freilich liefern wir einander aus. Wir riskieren etwas. Auch diese Rose hat sich im Wachsen dem Wind und dem Regen ausgeliefert. Und es ist doch alles gut geworden! Wagen wir es, unser Miteinander ohne Zäune zu bauen! Sichern wir uns nicht voreinander ab, auch nicht vor unserer Umgebung. Isolation führt in die Einsamkeit.

Und schließlich:

Liebende sind zeitlebens füreinander verantwortlich! „Du bist zeitlebens verantwortlich für das, was du dir vertraut gemacht hast!“  Exupery, Der kleine Prinz.  Wenn wir uns aufeinander verlassen können, dann haben wir einen Raum, in dem Liebe und Vertrauen reifen können.

Aber  das andere hat ja meine Rose auch: die Dornen. Längst haben Sie an dem anderen das Unpassende, das Verletzende entdeckt. Das, wo der andere nicht aus seiner Haut kann, wo er seine dämlichen Angewohnheiten, seine Launen hat. Das, was einen eben zur Weißglut bringen kann….

Keine Ehe läuft nur glatt und rosig. Dann ertragen Sie einander! Einer trage des anderen Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen, lese ich im Neuen Testament.

Bleiben Sie offen füreinander. Warten sie immer wieder aufeinander! Behalten Sie Geduld, einen langen Atem! 100 Jahre mussten in dem Märchen verstreichen, bis der Königssohn kam, die Königstochter fand, sie küsste - und erst dann blühten die Blumen wieder. Nichts erzwingen!

Und dann -   verzeihen! Die Sonne nicht über dem Zorn untergehen lassen. Ärger zu speichern und sie dem anderen dann Jahre später um die Ohren hauen - das bringt nichts.

Wie oft soll ich meinem Mitmenschen verzeihen? wird Jesus gefragt. Genügt es 1 Mal?    Nein, 7 mal 70 Mal!, antwortet Jesus.    Er will damit sagen: Immer. Unendlich oft.

Schließlich sind ja da auch noch die Eltern, wo Sie sich Unterstützung, einen guten Rat holen kann, - und ein Freundeskreis, vielleicht auch eine Kirchgemeinde Anlaufpunkte für Beratung, Gedankenaustausch, Gespräch….

Suchen Sie beizeiten und immer wieder das innige Gespräch! Das vor allem Sie miteinander nicht nur die Alltagstermine absprechen, sondern dass auch das dran kommt, was Sie innerlich beschäftigt, Ängste, Ideale, Träume, Sehnsüchte.

Und dazu gehört auch, so denke ich´s, der Glaube:…

Überlegen Sie sich ein Raster, wie Sie Ihren Glauben miteinander leben können, Zeit, in der etwa die Bibel oder auch das Gebet eine Rolle spielen. Genau das ist noch immer das Fundament einer christlichen Ehe.

So werden wir reicher und glücklicher sein miteinander. Wir werden so was wie Tiefe entdecken.

Gott ist in der Tiefe unseres Seins, sagte ein bekannter Theologe. Nicht da, wo das Leben oberflächlich ist, banal dahin plätschert, sondern da, wo es uns im Innersten berührt. Da ist Gott! Da erleben wir Glauben, Hoffnung, Liebe, diese drei, doch am höchsten steht die Liebe.

Eine Rose als Zeichen der Liebe. Diese hier schenke ich Ihnen heute( zu Ihrem Strauß dazu).