Schöpfung. Unendlichkeit. Atmosphäre.  Atem. Weite. Licht. Seele. Traum. Zartheit. Bewegung. Figur. Schönheit. Ideal


Unendlichkeit

In ewiger Bewegung, das Meer, seit Jahrtausenden. Ständig wechselnd in den Farben. Der Himmel gibt ihm seine Farbe.

Mit silbernen Streifen hat sich die Wasserfläche geschmückt. Wellen kommen von ferne, überschlagen sich, zerbrechen, werden zu Gischt und leuchten hell auf. Dann laufen sie auf das Ufer zu, überziehen den dunklen Strand, laufen weit aus. Große, schillernde Blasen bleiben zurück — und zerplatzen sogleich. Auf dem nassen, spiegelglatten Sand glänzt das Licht.

Gern verweile ich auf dem schmalen Grat zwischen Land und Meer,  spüre den Sand zwischen den Zehen, sehe meinen Fußabdruck im Sand. Aber nur einen Augenblick später hat die nächste Welle ihn schon weggewischt. So stehe ich da, schweigend, umgeben vom Rauschen und der Unendlichkeit.

 »Wenn du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht deine Männer zusammen, um Holz zu beschaffen und die Arbeit zu verteilen, sondern lehre sie die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer.«   Antoine de Saint-Exupery:



Kreideküste

Im Jahre 1819 durchstreift Carl Gustav Carus Rügen und ist von der »Urnatur des Nordens« ergriffen. Überwältigt von der Kreideküste auf Jasmund vergleicht er diese mit einer Beethovenschen Sinfonie und beschreibt sein Erleben so:

»In tiefer Dunkelheit ging ich noch hinaus, um bei dem fast phosphorähnlichen Leuchten der Kreidewände, dem Brausen der See in der Tiefe zu horchen, sowie früh ich der erste war, der die Morgensonne auf diesen weißen Klippen und dann unten am Strande begrüßte. Ich wollte Studien zeichnen, aber kaum hatte ich ein paar Striche gemacht, als ich die Mappe weit wegschleuderte in der Überzeugung, hier sei jeder Strich nur eine Lästerung dieses ganz überschwänglichen Phänomens, und dann nur in höchster Bewegung dem wunderbaren Kampfe des Elements zustarrte.«  



Collage

Die Collage ist eine Technik - und ein Kunstwerk der bildenden Kunst. Etwas Neues wird geschaffen, indem verschiedene Elemente auf eine Unterlage aufgeklebt werden, daher die Bezeichnung (von frz. coller, „kleben“). Eine Collage kann beispielsweise Zeitungsausschnitte, Bänder, farbige Papierstücke und Fotografien enthalten. Die Décollage bezeichnet das Abreißen von Oberflächen, beispielsweise bei Plakatabrissen, um die darunter liegenden Schichten sichtbar zu machen. Werden plastische Gegenstände miteinander kombiniert, so verwendet man dafür den Begriff Objet trouvé. 


Künstlerisches Experiment

Kunstschaffen ist in seinem Drang nach Neuem ein Experiment an sich. Es soll dazu dienen, neue Möglichkeiten des Ausdrucks, des Mediums zu finden, Dinge auf eine Weise zu sehen, wie sie zuvor nicht gesehen wurden – und es ermöglicht es, neue Formen, Kombinationen, neue Perspektiven zu entwickeln. Freilich kann dabei ein Experiment auch scheitern, etwa an der Ablehnung durch das Publikum oder durch den Betrachter.

Künstlerische Experimente stellten beispielsweise die Erfindung der Zentralperspektive dar, die Arbeit von Leonardo da Vinci oder auch die fotografischen Untersuchungen von Eadweard Muybridge. 


Portrait

Ein Porträt (von französisch portrait) bzw. Bildnis ist ein Gemälde, eine Fotografie, eine Plastik einer bestimmten Person. Das Porträt zeigt häufig nur das Gesicht der Person. Manche Porträtisten versuchen, im Porträt das Wesen bzw. die Persönlichkeit des Porträtierten anzudeuten, zu karikieren oder zu übersteigern. 

Zahlreiche namhafte Maler, Grafiker und Bildhauer haben sich intensiv mit Porträts befasst und dadurch zur Entwicklung einer großen Darstellungsvielfalt beigetragen. 


Aktzeichnen

Das  Aktzeichnen z.B. ist ein figürliches Naturstudium, um die Proportionen und die Anatomie der menschlichen Gestalt kennenzulernen und künstlerisch umzusetzen. Dabei werden die Teile des Körpers in ihrem Aufbau, ihrer Funktion und ihrer räumlichen Ausdehnung betrachtet und der körperlichen Gesamtgebärde untergeordnet. Da jeder Mensch anders ist, gibt es keine starren Größenverhältnisse, doch ist die Kenntnis einer idealen Proportionslehre dienlich. 


Schönheitsikonen

Manche Schönheitsikonen vergangener Zeiten, wie beispielsweise die Venus von Milo oder Raffaels Madonnen werden auch von heutigen Menschen als schön und nachahmenswert empfunden. Altägyptische Kultur: 

Es gab kunstvoll gearbeiteten Schmuck und feinste durchsichtige Stoffe, die die Körperformen durchschimmern ließen. Nofretete bedeutete: „Die Schöne ist gekommen“. Ihre berühmte Büste wirkt erstaunlich lebensecht. Die Gesichtszüge sind harmonisch, die Augen ausdrucksvoll, der Mund voll und sinnlich, der Hals auffällig lang und anmutig. Ihr Körper zeigt ausgeprägte weibliche Kurven bei eher kleinem Busen.

Griechische Klassik: An Statuen wie der Venus von Milo wird ersichtlich, dass der ideale Frauenkörper harmonische Proportionen hatte, eher kleine aber feste Brüste, dazu ein wohl geformtes Becken. An männlichen Idealfiguren gab es verschiedene Typen: Einerseits den jugendlichen Athleten, aber auch fein gearbeitete Skulpturen wie die des Apollon. 



Panorama

Es ist früh am Morgen. Ich schiebe mein Fahrrad den "Dornbusch" hinauf bis zum Schild "Radfahren verboten. Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft."  An der Holzabsperrung lasse ich das Rad stehen, gehe zu Fuß weiter, am Leuchtturm vorbei - zu der dahinter liegenden Anhöhe. Zu beiden Seiten des Weges steht das Gras hoch. Ich sehe viele Kräuter, es duftet enorm. Ein leises Summen liegt über allem, Grillen zirpen. Ein Kuckuck ganz in der Nähe, iIn der Ferne Kühe...  Ich  lasse den Blick schweifen, schaue von den Swantibergen im Norden der Insel  über die Landzungen Alter und Neuer Bessin, den kleinen versteckten Ort Grieben, bis hinüber zum großen Leuchtturm. Was für eine Atmosphäre, was für ein Licht! Dann geht die Sonne auf. Als rote Kugel überblendet sie den Horizont. An den Hängen werfen die Büsche lange Schatten. 

Hiddensee, dat söte Lännecken, Wunder der Schöpfung, Traumland, das Paradies. Noch eine Weile stehe ich da - und wische mir eine Träne der Ergriffenheit aus den Augen. Dann mache ich mich auf den Weg zurück.  


Weitwinkel

In der Fotografie wird gern das „Kunstobjektiv“, das Weitwinkelobjektiv eingesetzt: Es hat einen Bildwinkel, der größer ist als der von Normalobjektiven, die dadurch entstehenden stürzenden Linien werden wie selbstverständlich in die Bildkomposition aufgenommen. Ein solches Objektiv ist  für alles verwendbar, egal ob für Landschaftsfotografie, Porträt, Akt oder einfach nur für den Schnappschuss zwischendurch. Indem Fotografen ein Weitwinkelobjektiv einsetzen,  lassen sie sich auf eine neue Blickweise ein:  Alles wirkt so atemberaubend weit, so tief, so gestreckt, solang gezogen! 


Detail

Das Detail (französisch: détailler = aufteilen) bezeichnet eine Einzelheit bzw. einen exakten, bildlich vergrößerten Ausschnitt aus einem großen Ganzen. Eine solche Einzelheit kann z.B. ein kleiner Teil aus einem Kunstwerk sein, um den Stil eines Künstlers genauer darzustellen oder auch, um Fälschungen festzustellen. Durch den „Blick“ auf bestimmte Einzelheiten, Details erschließt sich der Sinn und der Zweck eines Bildes, eines Textes der Betrachtung besser und genauer. 

Im Detail liegt die Würze. Sprichwort


Experiment

Ein Experiment soll dazu dienen, neue Möglichkeiten des Ausdrucks, des Mediums zu finden, Dinge auf eine Weise zu sehen, wie sie zuvor nicht gesehen wurden. Es ermöglicht es, neue Formen, Kombinationen, neue Perspektiven zu entwickeln.

Schönheitsideal - Dehnung

 Seit Urzeiten sehnen sich Menschen nach Vollkommenheit, nach absoluter Schönheit. Um dieser Sehnsucht Ausdruck zu verleihen, suchten sie nach  einem künstlerischen Stil.

Zur Zeit des Barock etwa wurden die Gestalten, der Körper gerundet (Peter Paul Rubens).  Im frühen Mittelalter hingegen, im Jugendstil (Casa Padrino, Job Mucha), auch in der Neuzeit (Modigliani, Kareem Iliya) fanden Künstler, Maler und Bildhauer ihren je eigenen Stil, indem sie Figuren und Gestalten stilisierten, streckten, dehnten, in die Länge zogen oder aber in gedachte Formen wie Dreiecke, Kreise, Ovale einfügten (Oskar Schlemmer, Lyonel Feininger).  


Schönheitsideal - Leiden

Seit Urzeiten setzen Menschen die unterschiedlichsten Mittel ein, um den jeweils vorherrschenden Schönheitsvorstellungen zu entsprechen. Da wurde der Körper drastisch verändert, Zähne zugefeilt, Füße eingeschnürt und verkrüppelt. Das Tragen von Korsetten führte zu Deformierungen der Rippen und  des Brustkorbs,  Schönheitsoperationen taten das Übrige.

Bis heute setzen sich Menschen unter Druck, sie hungern sich auf eine Größe 34 oder 36 herunter, sie bilden Minderwertigkeitsgefühle aus – nur um in den Augen anderer schön zu sein und beachtet zu werden.

Die absolute Schönheit, Vollkommenheit wird auf diese Weise nie erreicht, denn zu unserer Wirklichkeit gehört immer auch das Unschöne, das Unvollkommene.

Um so mehr gilt: Ein Ideal sollte immer das bleiben, was es ist, ein Traum, eine unerreichbar ideale, d.h. absichtlich verzerrte, harmonische Darstellung einer Landschaft, einer Architektur, eines Ornamentes, eines Gesichtes, eines Körpers, der Gliedmaße eines Menschen. Die wurden dann aber auch zu Recht in allen Zeiten bestaunt und bewundert.  


Gebet

Wie leicht ist es für mich, mit dir zu leben, Herr! An dich zu glauben, wie leicht ist es für mich. Wenn ich zweifelnd nicht mehr weiter weiß und meine Vernunft aufgibt, wenn die klügsten Leute nicht weitersehen als bis zum heutigen Abend und nicht wissen, was man morgen tun muss - dann sendest du mir eine unumstößliche Gewissheit, dass du da bist und dafür sorgen wirst, dass nicht alle Wege zum Guten gesperrt werden.           A.S.     Aleksandr Solschenizyn, russischer Schriftsteller, Bürgerrechtler 

Reden und Predigten der Jahre 1980 - 2020.

Christoph Rosenow


Heilung

als jesus den stummen heilte ja was da da ist er ganz nahe herangegangen an diesen stummen menschen hat ihn umarmt hat sich nicht distanziert verhalten ist nicht wie ein psychotherapeut nicht wie ein medizinmann nicht wie ein seelsorger mit vollmacht vom amt aufgetreten er ist wie ein mensch ganz nahe herangegangen und diese ungeheure menschliche nähe diese nicht gespielte zuneigung löste und erlöste den stummen das ist erlösung wenn einer so kommt da tat der stumme seinen mund auf und von da an wagte der stumme wieder mit menschen zu sprechen weil er einem menschen begegnet war denn sprechen ist ein wagnis wenn es nicht bloßes plappern sein soll nichtssagendes plappern wirkliches sprechen ist ein wagnis dieser stumme wagte wieder den mund aufzutun weil er einen menschen gegenüber hatte dem er sich öffnen konnte ohne gedemütigt zu werden deshalb wagte er wieder den mund aufzutun               wilhelm willms